Hanns Bücken - Eine Fliegergeschichte

      Hanns Bücken - Eine Fliegergeschichte

      Wir haben hier in letzter Zeit im Zusammenhang mit vermeintlichen Sales von angeblich authentischen Fliegergeschichten gelesen oder lesen müssen. Meistens waren diese Geschichten entweder frei erfunden oder Uhr und Flieger wurden nur zum Zwecke der Unsatzsteigerung zusammengeführt.

      Ich dachte mir, wir sollten mal eine echte Geschichte betrachten, wie sie sich wirklich ereignet hat.

      Die nachfolgende Dokumentation zeigt den Kriegseinsatz des Fliegers Hanns Bücken. Er war der Vater eines guten Freundes, der mir die Dokumente zur Verfügung gestellt hat. Hab Dank lieber Alexander.

      Beste Grüße

      Walter
      Hanns Bücken - Eine Fliegergeschichte

      Hanns Bücken, geboren am 26. Oktober 1923 in Aachen meldete sich im Dezember 1940 als Gymnasiast freiwillig zur deutschen Luftwaffe. Als 17-jähriger braucht er noch die Einverständniserklärung seines Vaters.
      Sein Arbeitsdienstsoll ist durch seinen Freiwilligenstatus abgegolten.
      Er verlässt das Realgymnasium mit Abschluss der 11. Klasse. Sein Abitur wird er erst nach dem Krieg beenden können. Vor ihm liegen 4 lange Jahre des Kriegs. Verlorene Jahre, wie er später zu seinem Sohn Alexander warnend sagen wird.

      Meldung als Kriegsfreiwilliger





      Nicht ohne Einverständnis der Eltern



      Für viele eine Jugendtraum - Luftwaffe



      Sein erster Soldbucheintrag beginnt mit dem 6. Mai 1941. Es folgt die Grundausbildung im Flieger-Ausbildungs-Regiment 22 in Güstrow/Mecklenburg. Danach geht es zur weiteren Ausbildung auf die Bombenschützenschule nach Rügen und zur Kampfbeobachterschule nach Stolpe/Reitz. Er ist vorgesehen für verschiedene Verwendungen in einem Kampfgeschwader. Von Juli 1942 beginnend wird er beim Kampfgeschwader 40 als Kampfbeobachter auf Focke-Wulf FW 200 zum Patrouillendienst an der Atlantikküste eingesetzt. Er absolviert insgesamt 10 Patrouillenflüge über dem Atlantik. Während dieser Zeit als Beobachter trägt er nach eigenen Aussagen eine große IWC Fliegeruhr in seinen Einsätzen. Die Uhr hat ihn so begeistert, dass er sich nach dem Krieg zur Hochzeit eine IWC Taschenuhr, Kaliber 52 wünscht und auch bekommt. Eine offizielle Dienstuhr wird er nie erhalten. Im Soldbuch sind auch keinerlei diesbezügliche Einträge vermerkt.

      Das Soldbuch aus dem Nachlass Hanns Bücken





      Feststellung der Wehrdiensttauglichkeit in der deutschen Luftwaffe



      Am 09.02.1942 findet sich dort der offizielle Eintrag zur Aufklärung über die “Aufrechterhaltung der Manneszucht”



      Nach einer dienstlichen Verfehlung wird er von November 1942 bis Dezember 1942 strafversetzt in eine Luftwaffenpioniereinheit/Feldersatz-Batallion nach Tannowitz/Ostpreußen. Von dort geht es an die Kaukasusfront nach Elbrus. Die Zeit Von Mitte Dezember 1942 bis Mitte Januar 1943 verbringt in einer Transportfliegerkompanie, um als außerplanmäßiger Hilfsflieger beim Verwundetentransport aus dem Kessel von Stalingrad mitzuwirken. Er wird dort als Funker und Transportbetreuer eingesetzt. Geflogen wird die bewährte Ju-52. Das Bild zeigt ihn am 20. Dezember 1942 vor einem Transportflug auf dem Flughafen Rostow.



      Im Jahr 1943 spitzen sich die Ereignisse zu. Im Juni wird er zum Obergefreiten befördert und gleich darauf noch einmal in ein Feldersatzbatallion der Luftwaffe strafversetzt. Im August 1943 folgt ein Einsatz als Bombenschütze auf einem Junkers Ju-88 in der der III. Gruppe des KG 30. Die Maschinen werden vornehmlich gegen russische Panzerverbände eingesetzt. Am 15.08.1943 erhält er das EK I und wird kurz darauf am 25. August 1943 beim Abschuss seiner Ju-88 verletzt. Es folgen 6 Wochen Lazarett in Rippin/Westpreußen. Die Zeit zwischen Ende Oktober 1943 bis Mitte November 1943 verbringt er in seiner Heimatstadt Aachen auf Genesungsurlaub. Es folgen weitere Einsätze auf Me-110 gegen alliierte Bomberverbände im Raum Hamburg, Bremen und Lübeck.

      Lazarettaufenthalte aufgrund einer Verwundung durch Absturz



      Am 1.5.1944 wird er zum Fahnenjunker befördert und seine Offiziers- und Flugzeugführerausbildung beginnt offiziell. Inzwischen ist der Krieg in seinem letzen Jahr und Piloten fehlen in allen Verbänden. Seine Tauglichkeit wird hochgestuft zum späteren Einsatz als Flugzeugführer. Das Training findet zunächst im Baltikum in Riga statt und schließlich wird er nach Werder/Havel in die Flugzeugführerschule 61 verlegt. Er bleibt dort bis zur Auflösung des Verbandes am 2. Februar 1945. Schon während der Ausbildung auf Messerschmidt Bf 109 nimmt er ab November 1944 an der Luftschlacht um Berlin teil. Am 01.12. erfolgt die Beförderung zum Fähnrich.
      Anfang Februar 1945 weicht die Fluzeugführerschule Havel der herannahenden russischenFront und wird verlegt. Die letzten Tage des dritten Reichs sind angebrochen. Die Flugzeuge werden mitsamt ihrer Flugschülern nach Braunschweig gebracht.

      Die Maschinen werden dort zum “Dödelschleppen” umfunktioniert, das bedeutet sie werden als Behelfsbomber zum Kampf gegen alliierte Nachschubverbände umgerüstet. Für einen jungen Jagdflieger ist das ein Graus, denn die Maschinen werden schwerfällig und sind umständlich zu manövrieren. Von Februar bis April verbringt Hanns Bücken, wie er später erzählen wird, mehr Zeit am Boden als in der Luft. Der Grund: akuter Treibstoffmangel. Es folgen insgesamt 8 Einsätze im Ruhrgebiet gegen alliierte Bomberverbände. Im März 1945 erreicht ihn die Nachricht vom Todes seines älteren Bruders Leo, der bei den Abwehrkämpfen am Rhein in der Nähe von Bonn gefallen ist. Sein eigenes Schicksal lässt nicht lange auf sich warten.

      Ein letztes Wiedersehen mit dem älteren Bruder Leo beim gemeinsamen Heimaturlaub in Aachen





      Am 21. April gerät Hanns Bücken über Essen im Ruhrgebiet in ein Gefecht mit einer amerikanischen Mustang. Er wird abgeschossen und seine Maschine landet kopfüber im Dach einer Fabrikhalle. Er ist schwer verletzt: Schädelbruch und umfangreiche Rückratverletzungen und kommt in ein deutsches Lazarett bei Bad Salzuffeln. Nur kurze Zeit später, am 4. Mai 1945 wird dieses Lazarett offiziell den Amerikanern übergeben und Hanns Bücken ist jetzt Kriegsgefangener der Vereinigten Staaten von Amerika. Er wird insgesamt 8 Monate im Lazarett verbringen müssen, so schwer sind seine Verletzungen. Der Krieg ist nicht nur für ihn endgültig aus.

      Der offizielle Entlassungsschein



      Der Weg in die Freiheit



      Hanns Bücken wurde nach dem Krieg Bauingenieur im öffentlichen Dienst seiner Heimatstadt Aachen. Er gründete wie viele andere Kriegsheimkehrer eine Familie. Die Jagd wurde zu seiner größten Leidenschaft in seiner Freizeit. Zur Fliegerei hat es ihn nie wieder hingezogen. Nur seine IWC Taschenuhr erinnerte ihn manchmal an die Zeit in des Krieges. Er starb am 26.11.1976 an den Folgen einer Krebserkrankung.



      R.I.P.
      Bilder
      • Hans Bücken 1 001.jpg

        47,02 kB, 464×704, 75 mal angesehen
      • Hans Bücken 2.jpg

        48,82 kB, 512×704, 67 mal angesehen
      • Hans Bücken 3.jpg

        38,6 kB, 512×752, 64 mal angesehen
      • Hans Bücken 4.jpg

        20,61 kB, 368×512, 65 mal angesehen
      • Hans Bücken 5.jpg

        58,53 kB, 608×848, 72 mal angesehen
      • Einberufung 1.jpg

        119,52 kB, 752×1.056, 64 mal angesehen
      • Einberufung 2.jpg

        107,13 kB, 896×1.264, 59 mal angesehen
      • Einberufung 3.jpg

        429,05 kB, 1.232×1.755, 81 mal angesehen
      • Einberufung 4.jpg

        107,52 kB, 896×1.264, 68 mal angesehen
      • Einberufung 5.jpg

        185,17 kB, 912×1.264, 64 mal angesehen
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Gut geschrieben, klasse dokumentiert, mein Respekt Walter...Solche Dokumente sind doch schon ein Sammelgebiet für sich, oder? :respekt:
      Gruß

      Jimmy
      -------------------------------------------
      Don't talk to me about naval tradition. It's nothing but rum, sodomy and the lash.
      Sir Winston Churchill
      Auch für diesen Beitrag möchte ich die durch Photobucket zerstörten Bilder ersetzen, um so den historischen Zusammenhang aufzeigen zu können. Gruß, Walter
      Bilder
      • Einberufung 5.jpg

        185,17 kB, 912×1.264, 56 mal angesehen
      • Entlassung 1.jpg

        387,26 kB, 1.264×1.632, 62 mal angesehen
      • Entlassung 2.jpg

        352,2 kB, 1.264×1.632, 64 mal angesehen
      • Kennkarte 1.jpg

        70,65 kB, 896×1.264, 60 mal angesehen
      • Kennkarte 2.jpg

        156,05 kB, 848×1.264, 54 mal angesehen
      • Soldbuch 1.jpg

        84,04 kB, 608×880, 57 mal angesehen
      • Soldbuch 2.jpg

        85,63 kB, 608×880, 61 mal angesehen
      • Soldbuch 3.jpg

        175,4 kB, 1.216×864, 58 mal angesehen
      • Soldbuch 4.jpg

        249 kB, 1.216×880, 65 mal angesehen
      • Soldbuch 5.jpg

        189,93 kB, 864×1.216, 60 mal angesehen
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Fortsetzung
      Bilder
      • Soldbuch 6.jpg

        218,38 kB, 896×1.216, 53 mal angesehen
      • Soldbuch 7.jpg

        192,14 kB, 896×1.216, 52 mal angesehen
      • Soldbuch 8.jpg

        218,89 kB, 912×1.216, 52 mal angesehen
      • Soldbuch 9.jpg

        235,24 kB, 864×1.216, 50 mal angesehen
      • Soldbuch 10.jpg

        236,5 kB, 928×1.216, 57 mal angesehen
      • Soldbuch 11.jpg

        217,42 kB, 864×1.216, 51 mal angesehen
      • Soldbuch 12.jpg

        225,99 kB, 928×1.216, 56 mal angesehen
      • Soldbuch 13.jpg

        165,61 kB, 896×1.216, 52 mal angesehen
      • Soldbuch 14.jpg

        187,67 kB, 880×1.216, 59 mal angesehen
      • Soldbuch 15.jpg

        167,95 kB, 880×1.216, 55 mal angesehen
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Completed
      Bilder
      • Soldbuch 16.jpg

        229,18 kB, 1.275×1.216, 48 mal angesehen
      • Soldbuch 17.jpg

        187,57 kB, 864×1.200, 53 mal angesehen
      • Soldbuch 18.jpg

        221,48 kB, 864×1.200, 54 mal angesehen
      • Soldbuch 19.jpg

        213,4 kB, 880×1.216, 56 mal angesehen
      • Soldbuch 20.jpg

        167,78 kB, 864×1.200, 69 mal angesehen
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann