Sticky Das 2. Leben einer Urofa 59

      Das 2. Leben einer Urofa 59

      Das 2. Leben einer Urofa 59



      Dezember 1940 wurde die Tutima 200402, vergoldetes Werk-mit Stoßsicherung gefertigt und der deutschen Luftwaffe ausgehändigt.

      Nach einer Luftschlacht in Russland explodierte der Abfangjäger und bohrte sich in die Erde. Bei Ausgrabungen kam die Uhr zum Vorschein, Stahl und Messingteile waren verglüht und weich. Zwischenzeitlich hatten Hobbyuhrmacher sie in die Zange und in den Schraubstock genommen und somit dem Ende zugeführt.
      Der leidenschaftliche und glückliche Besitzer hat mit viel historischem Wissen und Engagement zusammen mit Uhrmachermeister Buse das Herz zum Ticken gebracht und er kann sie ab heute stolz am Handgelenk tragen und vorführen.
      Lassen wir die Bilder sprechen……… :bravo:

      Teil 2: Der "Dienstantritt" einer Urofa 59

      Ihr
      Peter-Jesko Buse
      Uhrmachermeister
      Mainz




























      :thumbs:

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      Ich befürchte, das wird die Mitglieder jetzt erstmal vor Ehrfurcht erstarren lassen. Darf ich daher - bevor wir in die intensivere Diskussion einsteigen - zwei Bitten äußern:

      1) Dürfen wir auch Bilder der Vorderseite bzw. der Uhr am Arm des glücklichen Besitzers sehen? Vielleicht sogar Bilder des Meisters bei der Arbeit?

      2) Wären Sie so nett, für die Nicht-Experten unter uns in aller gebotenen Kürze die einzelnen Schritte der Restauration / Revision / Reglage einmal zu rekonstruieren? Das würde es mir erleichtern, den gesamten Prozess vor meinem geistigen Auge ablaufen zu lassen.

      Herzlichen Dank für Ihre Mühe :thumbs:

      Ich freue mich auf weitere "Einblicke" in Ihre Werkstatt. :saint:
      :kaffee: ich würde die Uhr auch gerne von vorne sehen! :blum:

      Eine Frage hätte ich auch: In welcher Flüssigkeit werden die verschmutzten Werkteile eingelegt? :kaffee:
      Der Pazifist trägt gerne "diese komische italienische Kampftaucher Marke, die nur Exoten lieben" :kaffee:
      Auch nicht zu beantworten da ich mir die Uhr zuvor anschauen muss, grundsätzlich erstelle ich für jede Uhr einen schriftlichen Kostenvoranschlag nachdem ich die Ersatzteile und den Arbeitsaufwand durchkalkuliert habe.
      Es kommt gleischzeitig hinzu welchen Anspruch bzw. welche Vorstellung mir von dem Eigentümer angetragen wird.
      Empfehlung und Beratung gebe ich begleitend.
      Hallo alle zusammen,

      da stöbert man so durch Netz und findet die eigen Uhr am Handgelenk in einem Forum wieder.

      Also für alle die´s interessiert:

      Die Uhr war in einem eigentlich nicht mehr restaurierungswürdigen Zustand. Das Einzige, was den Aufwand dann doch noch rechtfertigt hat, war der Umstand, daß es sich vermutlich um die früheste erhaltene Nummer bei einer Tutima Urofa 59 mit Stoßsicherung handelt. Ich selbst kenne nur zwei Stück mit früherer Nummer (200332 und 200344), beide haben keine Stoßsicherung oder hatten niemals eine. Angeblich gibt es irgendwo auf der Welt noch eine Urofa 59 aus dem Nummernkreis zwischen 200150 und 200160. Ich habe das Stück nie gesehen. Ob dieses Stück - wenn es denn existiert - eine Stoßsicherung hat, kann ich nicht sagen.

      Ich war mir damals mit Herrn Buse auch vollkommen einig, daß eine Restaurierung ohne diese Besonderheit keine Sinn gemacht hätte. Der Aufwand und die Kosten waren wirklich hoch.

      Jeder, der sich mit dem Gedanken trägt, ein ähnliches Projekt in die Hand zu nehmen, sollte zwei Dinge bedenken.
      Erstens: Es gibt kaum noch Uhrmacher, die zu einer solchen Grundrestaurierung fähig sind. Im Falle des Kalibers Urofa 59 kenne ich nur zwei, von denen einer mittlerweile wohl auch schon keine Aufträge mehr annimmt.
      Zweitens: Die Kosten sind erheblich. Wenn es sich nicht um ein ausgesprochen seltenes und wertvolles Stück handelt, lohnt sich das Ganze höchstwahrscheinlich nicht.

      Wer etwas über die verschiedenen Ausführungen des Kalibers Urofa 59 erfahren möchte, dem seien die Bücher Militäruhren von Konrad Knirim sowie German Military Timepieces Vol. II von Ulric of England empfohlen. Die dortigen Ausführungen sind zwar im Detail etwas lückenhaft und wohl auch nicht immer bis aufs letzte richtig, sie geben aber eine ganz guten Überblick.

      Das Kaliber Urofa 59 ist nicht nur als historischer sondern vor allem auch aus technischer Sicht sehr bemerkenswert. Es war damals ein Durchbruch in der Entwicklung des Armbandchronografen. Sowas gehört eigentlich in jede gut sortierte Uhrensammlung.

      Über die Herkunft meiner Uhr weiß ich nur soviel, daß ich sie von einen Flohmarktsammler aus Östereich gekauft habe. Dieser hatte sie nach eigenen Angaben ein paar Jahre zuvor auf einem Flohmarkt in oder bei Wien gefunden. Der Händler war wohl Osteuropäer (Russe, Tscheche, Pole, etc.). Der Zustand vor der Restaurierung zeigt deutlich, daß die Uhr einmal großer Hitze ausgesetzt gewesen ist und deshalb mit hoher Wahrscheinblichkeit aus einem Flugzeugabsturz stammte.

      Das Projekt ist übrigens immer noch nicht abgeschlossen. Die Restaureirung des Gehäuses steht noch aus. Auch das wird noch richtig kostspielig, bis die originale Optik auch außen wiederhergestellt sein wird.

      Falls irgendjemand Fragen haben sollte, keine Scheu. Ich antworte gerne.
      In der Tat. Und wenn die Uhr jemand wieder hinbekommt, dann sind Sie definitiv an der richtigen Adresse gelandet. Herr Buse ist ein Künstler.

      Wenn die Uhr bloß etwas größer wäre. Ich hätte mir auch eine gegönnt.

      Bitte halten Sie uns über das Projekt auf dem Laufenden.

      Natürlich würden wir uns auch freuen, wenn es Sie öfters zu uns ziehen würde und wir dabei mehr über Ihre Fliegeruhren erfahren könnten. :blum:


      Kaempo (Admin)
      Ich habe schon mitbekommen, daß Sie doch eher der B-Uhren-Fraktion angehören. Schöne Stücke, keine Frage, aber aus meiner Sicht zum täglichen Tragen einfach zu groß. 65 mm sind schon ziemlich gewaltig am Handgelenk. Eigentlich waren die B-Uhren ja auch nicht in erster Linie dafür gedacht. Werksmäßig wurden die mit Beinriemen ausgeliefert. Übrigens letzten habe ich eine besonders schöne von Lange in Sonderausführung (gravierter Kloben, Silbergehäuse, etc.) gesehen. Glaube aber nicht, daß der Eigentümer sich davon wird trennen können.

      Über die Fortschritte der Restauerierung meiner Tutima werde ich Sie auf dem Laufenden halten. Habe vor in den nächsten Wochen, wieder beim Meister Buse vorstellig zu werden. Und Ja, der Mann ist ein Künstler !!!
      Ach ja, noch eins zu den frühen Nummern :

      Angeblich soll vor Kurzem in England die Nummer 200177 aufgetaucht sein. Habe nur ein Bild von der Vorderseite gesehen. Zweifellos erste Baureihe im äußerlich unrestaurierten Zustand. Sogar die Chronozeiger waren offensichtlich Originale der ersten Baureihe. Leider waren keine Bilder von der eigentlichen Nummer oder gar vom Werk zu bekommen. Insoweit leider nur eine "nicht bestätigte Sichtung".

      Damit erweitert sich nun der Kreis der mir bekannten Stücke aus dem ersten Monat der Produktion - ob bestätigt oder nicht - auf fünf erhaltene Exemplare.
      Original von Sascha Praisler
      Es ist soweit:

      Die Restaurierung geht in die zweite Phase. Seit vergangenen Dienstag ist die Uhr wieder bei Meister Buse.

      So etwa im September wird auch das Gehäuse dann wieder in einem zeigbaren Zustand sein.


      da freue ich mich schon auf den Bericht und die Fotos.