Angepinnt Hanhart MdI: Beispiel Nr. 181 - Nr. 134 600

      Hanhart MdI: Beispiel Nr. 181 - Nr. 134 600

      Hallo Freunde,

      da kann ich einfach nicht abwarten, bis die Auktion zu Ende ist! Anscheinend kam dieses Exemplar zu einem verspäteten Einsatz, oder auch nicht.
      Fehlt hier die Lünette, oder ist der Lünettenboden auf einem Gehäuse ohne Lünette?
      Sorry, die Lünette fehlt!!!

      Das muss doch diskutiert werden???

      VG

      Balu

      ebay.de/itm/Hanhart-Fliegerchr…taria&hash=item256991990b

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Balu53“ ()

      Vollkommen richtig: Eindeutig Nachkriegswerk. Beim Gehäuse handelt es sich um den Typ ohne Drehlunette. Die "Lunettenauflage" ist viel zu schmal. Eine Lunette hätte außerdem Abrieb an den Rändern hinterlassen.

      Die Geschichte von den beim MdI aufgetauchten Kriegshanhart stammt von Konrad Knirim (Ebd., S. 507). Fakt scheint m.E. aber: Es gab bis zum Mauerbau und auch danach Handelsbeziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten. Diese Uhren stammen wahrscheinlich aus den späten 40er bis frühen 50er Jahren. Das alte Gehäuse wurde noch aufgebraucht. Bei Knirim werden auch keinerlei Angaben zu den Werknummern gemacht.

      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Erzielter Preis: € 2.232.

      Hier ein paar Pics:


      Gruß,

      Walter
      Bilder
      • Hanhart MdI 1.jpg

        74,78 kB, 800×600, 93 mal angesehen
      • Hanhart MdI 2.jpg

        53,66 kB, 800×600, 58 mal angesehen
      • Hanhart MdI 3.jpg

        51,09 kB, 800×600, 67 mal angesehen
      • Hanhart MdI 4.jpg

        59,88 kB, 800×600, 59 mal angesehen
      • Hanhart MdI 5.jpg

        64,43 kB, 800×600, 60 mal angesehen
      • Hanhart MdI 6.jpg

        87,07 kB, 800×600, 81 mal angesehen
      • Hanhart MdI 7.jpg

        67,26 kB, 800×600, 69 mal angesehen
      • Hanhart MdI 8.jpg

        77,41 kB, 800×600, 69 mal angesehen
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Original von Bat-Flight
      Von den "MdI"-Uhren sind bisher zumindest die 58, 96, 123 und 146 bekannt, alle mit dem Nachkriegskaliber ausgerüstet.


      Dies würde bedeuten wir haben jetzt die Nummern:

      16 (Werk 7962)
      39 (Werk 1855)
      57 (nur Gehäuse)
      58
      92 (Ebay/Werk 1285)
      96
      112 (Werk 2000)
      122 (Werk 1915)
      123 (Bonhams)
      131
      138 (Werk 1028)
      146
      168 (Abb. Knirim)
      180 (Werk 1160/Ebay)
      181 (Auktion/Werk Nr. 134 600)
      191
      203 Spargehäuse, Werk 4297
      222 Werk 1981
      281 (nur Gehäuse und ZB mit Kennzeichnung nxe 44a vorhanden)
      304 (Abb. Knirim)
      331 (Werk 1295)
      335 (Werk Nr. 1371)
      366
      382 (nur Gehäuse)
      394
      411 (Werk 1706)

      Aus meiner Erinnerung gab es zwei Versionen dieser Uhr. Es gibt den Typ mit Drehlunette (Kriegsgehäuse) und wie in der Auktion den Typ ohne Drehlunette, wobei ich mir über das Gehäuse noch nicht ganz im klaren bin. Ein Bekanntenrhat die Uhr ersteigert und ich werde bald Bilder bekommen. Ein gemeinsames Merkmal scheint das Nachkriegswerk zu sein.

      Vielleicht kann Kai anhand seiner Liste die unterschiedlichen Gehäusetypen bestätigen ? Ich bin mir ziemlich sicher - habe aber leiderdie Bilder nicht mehr im Archiv wegen eines Datenverlustes. Konrad Knirrim zeigt die Uhren in seinem Buch leider nur von der Rückseite.

      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Es gab die MdIs wohl mit und ohne Drehlünette. Hier ein Bild der MdI Nr. 123, die mal beim Auktionshaus Bonhams im Angebot war.



      Gruß
      Thomas

      PS
      Beim Antworten mit dem erweiterten Eingabe-Editor macht JAVA Probleme mit einem abgelaufenen Zertifikat und verweigert Eingaben. (Publisher: WoltLab GmbH > Thawte Code Signing CA). Im einfachen Modus ist Antworten möglich.
      Auf diesem Bild ist nicht nur eine geheimnisvolle Zahl auf der Krone zu erkennen. Das Bild zeigt auch deutlich die abweichende Gehäuseform. Die Ränder sind leicht konisch und nicht plan wie bei dem WK II Modell ohne Drehlunette. Man könnte denken, die Lunette würde fehlen. Allerdings gibt es keine Nut an der die Lunette fixiert werden könnte.


      Diese Gehäuseform ist sehr selten.

      Gruß,

      Walter
      Bilder
      • Hanhart MdI 2.jpg

        53,66 kB, 800×600, 61 mal angesehen
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Original von tgarn
      Das ist mal ein spezielles Teil! Ist über die Kronengravur etwas bekannt? :lupe:

      Gruß

      Thomas


      Leider nein - aber: Laut Knirim kann man diese Uhren der KVP = Kasernierte Volkspolizei zuordnen. Die KVP wurde Ende der 40er aufgebaut und mündete 1956 direkt in die NVA.

      Die KVP war also der militärische Vorläufer der NVA. Somit ist des Rätsels Lösung wahrscheinlich in den Strukturen der KVP zu suchen. Die Hanhart hat noch eine 6-stellige Nummer. Das wird zeitlich ungefähr 1948/49 etc. gewesen sein.

      Der nachfolgende Link zeigt einige frühe Bilder der KVP. Nach kurzer Zeit im sowjetischen Stil der Ausrüstungsgegenstände besann man sich schnell auf deutsche Traditionen (siehe Uniformen, Stahlhelm etc.). Ich vermute, dass man auf bewährtes zurückgreifen wollte und mangels eigener Produktion die alte und vielen noch vertraute Hanhart wieder hervorholte.

      cascoscoleccion.com/alemania/al56.htm

      Mit Gründung von NVA und Bundeswehr vertieften sich dann die Feindbilder und man konnte aus verständlichen Gründen keine Westware beziehen. Auch in der wirtschaftlichen Ausrichtung orientierte man sich zunehmend in Richtung UdSSR. Insofern dürften die Hanhart Modelle für das MdI mit großer Wahrscheinlichkeit vor den sowjetischen Modellen ausgegeben worden sein.

      Zur KVP schreibt der Spiegel in einem Beitrag aus dem Jahr 1962:

      "Die Masse der Offiziere aber mußte die SED unter den früheren Mitgliedern der Hitler-Wehrmacht anwerben. Sie deckte ihren ersten Bedarf aus dem Reservoir des Nationalkomitees Freies Deutschland und mit den bereits von sowjetischen Kommissaren sorgfältig gesiebten Insassen der Antifa-Gefangenenlager."

      Vgl. dazu:

      spiegel.de/spiegel/print/d-45124468.html

      Zur KVP allgemein vgl.

      de.wikipedia.org/wiki/Kasernierte_Volkspolizei

      Würde man die Hanhart einer Lufteinheit zuordnen, dann käme die ab 1951 gegründete VP-Luft als Teil der KVP in Betracht. Insgesamt war die KVP dem Innenministerium unterstellt, daher die Signatur MdI.

      Bei Ebay wurde vor einiger Zeit eine Auszeichnungsuhr der KVP verkauft. Die Uhr der Marke RUHLA trägt die Inschrift "CHEF DER KVP" 1954.

      cgi.ebay.de/RARITAT-RUHLA-ARMB…50798253050#ht_4793wt_698



      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Willy Hanhart entzog sich nach dem Krieg einem Verfahren gegen ihn wegen seiner NS-Vergangenheit. Ihm wurden intensive Kontakte zu führenden Köpfen des Regimes nachgesagt. Er flüchtete in die Shweiz und kehrte erst 1949 zurück. 1950 wurde in Gütenbach die Produktion von Uhren u.a. aus Restteilen wieder aufgenommen. Die Franzosen gaben den Schwenninger Hauptbetrieb erst 1951 wieder frei. Sie hatten dort zuvor alle brauchbaren Maschinen als Reparationsleistung abmontiert und nach Frankreich geschafft. Ab 1952 beschäftigte das Hauptwerk dann wieder rund 200 Mitarbeiter und die Produktion von Chronographen und Stoppuhren lief wieder an.

      Am 5.Mai 1955, dem Tag der westdeutschen Wiederbewaffnung begann die neu gegründete Bundeswehr mit dem Aufbau der Streitkräfte und der Verwaltung. Hanhart verfügte immer noch über gute Kontakte und konnte die neue Luftwaffe mit Chronographen beliefern.

      Wenn man sich diese Entwicklung anschaut, dann bleibt nur ein kurzes Zeitfenster für die Beliferung des MdI/KVP mit Hanhart Chronographen. Insbesondere die Zeit nach der Rückkehr Willy Hanhart von 1949 bis zum Neubeginn in Gütenbach 1951 ist interessant.

      Da die KVP als paramilitärischer Vorläufer der NVA ebenfalls ehemalige Offiziere des alten Regimes beschäftigte, dürften auch dorthin Kontakte von Willy Hanhart bestanden haben.

      Gefertigt wurde in dieser Zeit aus Altteilen und unter Verwendung von vereinfachten neuen Komponenten. Das passt zu den bisher gefundenen MdI Uhren.

      Die Bilder der Uhr im Vergleich zum letzten Fliegerchronographen der Luftwaffe ohne Drehlunette zeigen zugleich den Unterschied. Während ZB und Zeigersatz wohl aus Altbeständen stammen, ist das Gehäuse eine etwas improvisierte Neuversion. Auch die Vergütung des Gehäuses scheint etwas improvisiert. Die aufgetragene Nickelbeschichtung zeigt Spuren von Oxydation.

      Die Abmessungen sind in etwa identisch. Beide Uhren haben ca. 40 mm Durchmesser. In der Seitenansischt sieht man das wuchtigere Gehäuse der MdI HH (unten).
      Der auffälligste Unterschied liegt im Bereich der festen Lunette. Die MdI HH hat eine konisch zulaufende Lunette.

      Bei den Bodendeckeln sieht man zwei schon während des Krieges vorkommende Versionen. Beide Deckel sind also wahrscheinlich Altkomponenten. Das Werk der MdI Hanhart ist ein typisches Nachkriegswerk mit der gut sichtbaren "Schraube" und dem "Germany" Aufdruck. Das Nummernsystem 134 600 hingegen ist noch nach der alten Systhematik ausgeführt. Wahrscheinlich ist dieses Werk eine Marriage aus alten Grundkomponenten mit Verbesserungen.

      Interessant erscheint mir auch, dass die MdI Version scheinbar über keine Aussparung im Gehäuse verfügt in die eine Dichtung eingebracht werden kann. Ich habe das bei meiner Tutima ohne Drehlunette schon gesehen. Auch diese Uhr stammt aus der Zeit unmittelbar nach dem Krieg. Es musste mit unnötigen "Komplikationen" gespart werden. Das so produzierte "Economy-Gehäuse" hatte also weder eine Drehlunette noch eine Dichtfuge.

      FAZIT: Soweit man recherchieren kann, handelt es sich bei dieser MdI Hanhart wahrscheinlich um ein frühes Modell aus den Jahren 1949 bis 1952. Möglicherweise wurde diese Uhr noch in Gütenbach gefertigt, der ersten Station des Rückkehrers Willy Hanhart. Eine spätere Produktion erscheint aus technischen wie polititisch-historischen Argumenten heraus unwahrscheinlich. Die meisten anderen gefundenen MdI HH weisen alle den alten Gehäusetyp auf.

      In einem Punkt muß die Geschichte von Fliegerchronographen der deutschen Streitkräfte umgeschrieben werden:

      Die ersten Hanhart Chronographen nach dem Kriege wurden mit großer Wahrscheinlichkeit in den Osten Deutschlands geliefert und nicht an die Bundeswehr.

      Gruß,

      Walter
      Bilder
      • HH MDI VGL 1.jpg

        582,21 kB, 3.776×2.520, 71 mal angesehen
      • HH MDI VGL 2.jpg

        478,58 kB, 3.648×2.736, 65 mal angesehen
      • HH MDI VGL 3.jpg

        428,05 kB, 3.648×2.736, 67 mal angesehen
      • HH MDI VGL 4.jpg

        564,92 kB, 3.648×2.736, 90 mal angesehen
      • HH MDI VGL 5.jpg

        392,58 kB, 3.648×2.736, 63 mal angesehen
      • HH MDI VGL 6.jpg

        399,62 kB, 3.648×2.736, 63 mal angesehen
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Danke Caspar. Ich bleibe weiter dran.

      Ich habe noch ein wenig recherchiert. Die Uhr wurde bis 1972 im aktiven Dienst getragen und dann gegen eine Poljot ausgetauscht (!) Der Träger flog verschiedene sowjetische Flugzeugmuster und war zeitweilig in Marxwalde stationiert. Dort lag u.a. das JG 8 und TG 44 der NVA Luftstreitkräfte.

      Offensichtlich wurde diese Uhr also zunächst im fliegenden Teil der KVP eingesetzt. Diese gingen aus der sogenannten VP-Luft (Volkspolizei Luft) und den späteren Aeroklubs (VdAK = Verwaltung der Aeroklubs) hervor. Letztere war ein reine Tarnbezeichnung.

      Später wurden Träger und Uhr in die offiziellen NVA Luftstreitkräfte übernommen.

      Vgl.

      ddr-luftwaffe.de/

      Vgl. a. unseren interessanten Forumsthread:

      Fliegerchronograph der LSK/LV der NVA

      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann

      RE: Hanhart MdI 181 - Nr. 131 600

      Hier noch einge Eindrücke zur KVP, um sich ein "Bild" machen zu können. Das erste Bild zeigt einen Offizier der KVP. Das zweite eine Gruppe "Kameraden", wie man sich offiziell nannte, beim Photoshooting. Die Uniformen erinneren einerseits an die Sowjets andererseits kommt auf den SW-Bildern irgendwie auch ein Hauch von Waffen-SS rüber.

      Gruß,

      Walter
      Bilder
      • KVP 1.jpg

        28,63 kB, 368×496, 77 mal angesehen
      • KVP 2.jpg

        16,83 kB, 352×272, 68 mal angesehen
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann