ASKANIA - Uhren aus der Hauptstadt

      ASKANIA - Uhren aus der Hauptstadt

      Man nehme einen großen Marketingetat. Dann lade man alle Promis in und um Berlin zu rauschenden Partys ein und photographiere dabei fleißig. Schließlich zeige man eine mysteriöse Ur-Flieger-Askania aus den 30er Jahren von der es komischerweise nur ein einziges Exemplar gibt. Askania war nämlich in alten Zeiten ein renomierter Hersteller von Bordinstrumenten. Die besagte Ur-Askania-Fliegeruhr muß immer wieder als Beweis dafür herhalten, dass man auch Fliegeruhren gebaut hat. Ach ja und dann äußere man sich nicht klar zur Herkunft der Basiskaliber. Man findet bei keiner Askania einen direkten Hinweis darauf. :denken:

      Den Rest kann man u.a. hier nachlesen:

      uhrforum.de/neue-uhrenmarke-askania-t39661

      uhrforum.de/askania-made-in-china-t10599

      Das erwähnte Werk stammt angeblich von dieser Firma - Eurosina/Basel:

      moneyhouse.ch/u/eurosina_ag_CH…013.674-3.htm?eid=1187548

      Hier weitere Artikel:

      uhrforum.de/bericht-zur-askani…sstellung-in-berlin-t7256

      forums.watchuseek.com/f8/re-po…-askania-watches-462.html

      Die Quadriga für € 18.450:

      askania-store.com/gesamtkollek…askania-uhren-berlin.html


      Elly (B)Einhorn läßt grüßen... :teufel:

      Gruß,

      Walter
      Askania Neubegründer Leonard R. Müller ist zweifellos ein genialer Marketingstratege, der historisches Ambiente und Verkauf zu verbinden weiß. So vergibt die Firma z.B. einen eigenen Filmpreis an Schauspieler, der im Zusammenhang mit der Berlinale verliehen wird. Askania war nämlich früher auch Hersteller von Kameras.

      In einem Artikel der Berliner Morgenpost weiht Müller die Leser in seinen Werdegang und seine Firmenphilosophie ein.

      Vgl.

      morgenpost.de/wirtschaft/artic…iss-wie-Berlin-tickt.html

      Äußerst interessant ist ein Nebensatz, der sich mit der immer wieder ins Spiel gebrachten Ur Fliegeruhr von Askania beschäftigt. Man muss dazu sagen, dass die Uhr nicht dem übichen Design der 30er/40er Jahre entspricht. Da fragt man sich natürlich was die abgebrochene FL Nummer zu bedeuten hat ? FL und dann... - eine Andeutung, ein genialer Marketingag ? Überhaupt sind Andeutungen ein wichtiger Teil der Kommunikation von Askania. So heißt es z.B. auf der Homepage:

      "In den 20er bis 40er Jahren gibt es kaum ein Flugzeug ohne ASKANIA Bordinstrumente, auf die man sich bei jedem Wetter, in jeder Situation und zu jeder Tages- und Nachtzeit verlassen kann. Und schon bald verlangen die Piloten auch nach einer ASKANIA Armband-Fliegeruhr mit den gleichen herausragenden Eigenschaften."

      Der letzte Satz wird wiederum Fragen auf. Wurde das Verlangen nun befriedigt oder nicht ?

      Im weiteren Teil des Zeitungsartikels findet sich eine mögliche Auflösung des Rätsels. Dort heißt es:

      " Der erste Schritt war, in Pforzheim einen Uhrmachermeister zu beauftragen, zwei alte Askania-Pilotenuhren nachzubauen. Parallel schrieb Müller rund 80 Berliner Werbeagenturen an. Tenor: „Ich trage mich mit dem Gedanken, ein altes Berliner Traditionsunternehmen neu zu gründen. Ich suche dafür einen Partner vor Ort, der mich bei Marketing und Werbung unterstützt.“

      Die Uhren sind also ein Remake und keinesfalls alt. Dennoch ist die Aktion, das Traditionsunternehmen wieder aufleben zu lassen, gelungen. Askania ist sehr innovativ, hat einen eigenen Showroom in den Hackeschen Höfen, ein eigenes Museum und einen sehr schönen Katalog:

      askania-uhren.de/ebook/ASKANIA_Katalog_2011/#/0

      Was bleibt sind viele Fragen nach Details jenseits des Rummels wie z.B. hinsichtlich der Herkunft der Komponenten. Das ist ein wenig so wie die nebulösen Informationen zur vermeintlichen alten Fliegeruhr oder das Bild des Chronographenwerks von Seite 14 des Katalogs. Irgendwie sieht das mehr nach Seagull als nach Venus aus. :denken: Vielleicht wird der Mann mit der roten Brille eines Tages die Geheimnisse lüften.

      Erste Einblicke gab er in einem Interview mit der Wirtschaftswoche:

      wiwo.de/unternehmen/uhrenherst…-von-askania/5248682.html

      Good night,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Wenn man die Indizienlage aufmerksam studiert, wundert man sich dann doch, dass es mit dieser durchsichtigen Strategie gelingt, so viel Aufmerksamkeit zu erzielen. Und das bei Preisen, die angesichts der fragwürdigen Provenienz der Werke ambitioniert genannt werden dürfen. Hat man denn schon einen Promi mit einer Askania am Arm gesehen?
      Original von kaempo
      Wenn man die Indizienlage aufmerksam studiert, wundert man sich dann doch, dass es mit dieser durchsichtigen Strategie gelingt, so viel Aufmerksamkeit zu erzielen. Und das bei Preisen, die angesichts der fragwürdigen Provenienz der Werke ambitioniert genannt werden dürfen. Hat man denn schon einen Promi mit einer Askania am Arm gesehen?


      Promis mit Askania Uhren gibt es massig. Die bekommen doch alle effektvoll eine überreicht, so. z.B. Nahalia Wörner, Armin Rhode, Nadja Tiller, Walter Giller usw...

      Bei den Pressemeldungen ist man auch nicht zimperlich, da heißt es z.B. 2011:

      "Die Berliner Uhrenmanufaktur ASKANIA feiert in diesem Jahr ihren 140. Geburtstag und gleichzeitig den erfolgreichen Neustart vor fünf Jahren. 1871 in Berlin von Carl Bamberg als Werkstätten für Präzisionsinstrumente gegründet, entwickelte sich ASKANIA zum führenden technischen Ausstatter von Cockpits und Filmproduktionen."

      Jetzt könnte man doch glatt denken, die produzieren schon seit 140 Jahren Armbanduhren. :denken:

      Hier ein Bericht zum Askania Award:

      trustedwatch.de/aktuell/busine…Uhrenhersteller-in-Berlin

      Interessant ist auch der rechtliche Hintergrund der Marke. Die eigentliche Askania wurde 1971 von Siemens übernommen.

      Weitere Wort/Bildmarken existieren offenbar:

      "Die typische, an das historische Firmensignet angelehnte Wortbildmarke „Askania“ war von 1998 bis 2008 für die Askania AG, Zürich, (verschiedene Instrumente, Apparate aus Nizza 2009) eingetragen. Seit 2003 benutzt die Mikroskop Technik Rathenow GmbH die kaum veränderte Bild-/Wortmarke für die gleiche Produktgruppe, bis 2018 eintragen. Die neu gegründete Askania AG nutzt seit 2004 ebenfalls eine sehr ähnliche Bild-/Wortmarke, die für Luxusprodukte wie Uhren national und international geschützt ist."

      Vgl. dazu:

      de.wikipedia.org/wiki/Askania_Werke

      Dazu sind interessant die Informationen des dt. Patentamtes:

      register.dpma.de/DPMAregister/marke/trefferliste

      Im Klartext dürfte das bedeuten: Die besprochen Uhrenmarke Askania hat mit der ursprünglichen Askania AG rechtlich eigentlich nichts zu tun.

      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Das wundert mich aber,

      daß Ihr die Anja nicht kennt.

      Schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg war die führende Koryphäe in Sachen "Uhrenhersteller/-marken" eine Britin namens Anja Balance-Cock.
      Jeder, der nach den unübersichtlichen Kriegswirren irgendwo eine Uhr fand oder zumindest Teile, die sich dazu eigneten, mal zu einer Uhr zusammengesetzt zu werden, konnte den Hersteller meist dadurch ermitteln, daß er eben diese "Anja" fragte.

      Einige Uhrenbastler waren angeblich so dreist, die Zifferblätter mit dem Kürzel "FL" (für "Flying Lies") und in der nächsten Zeile mit der, ebenfalls englischsprachigen, Aufforderung, diese "Anja" - nach der Herkunft dieser Uhr- zu fragen "ASK ANIA", zu bedrucken.

      Ich hoffe, mit diesen wenigen Zeilen etwas zur Klärung der schillernden Historie des oben abgebildeten Machwerks beigetragen zu haben.

      Berlin ist eine Reise wert - man muß ja nicht unbedingt in den Hackeschen Höfen eine so genannte Uhr erwerben :lupe:


      Volker :zwinkern:

      RE: ASKANIA - Die Hauptstadtuhr

      :zwinkern: Ich hatte bei Askania der Form halber schon vor Wochen angefragt, ob es Informationen zur "historischen" Fliegeruhr gibt: Keine Antwort ist auch eine Antwort. Ich persönlich habe mir meinen Reim darauf gemacht.

      Gruß,

      Walter
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      Original von brainless
      Das wundert mich aber,

      daß Ihr die Anja nicht kennt.

      Schon kurz nach dem zweiten Weltkrieg war die führende Koryphäe in Sachen "Uhrenhersteller/-marken" eine Britin namens Anja Balance-Cock.
      Jeder, der nach den unübersichtlichen Kriegswirren irgendwo eine Uhr fand oder zumindest Teile, die sich dazu eigneten, mal zu einer Uhr zusammengesetzt zu werden, konnte den Hersteller meist dadurch ermitteln, daß er eben diese "Anja" fragte.

      Einige Uhrenbastler waren angeblich so dreist, die Zifferblätter mit dem Kürzel "FL" (für "Flying Lies") und in der nächsten Zeile mit der, ebenfalls englischsprachigen, Aufforderung, diese "Anja" - nach der Herkunft dieser Uhr- zu fragen "ASK ANIA", zu bedrucken.

      Ich hoffe, mit diesen wenigen Zeilen etwas zur Klärung der schillernden Historie des oben abgebildeten Machwerks beigetragen zu haben.

      Berlin ist eine Reise wert - man muß ja nicht unbedingt in den Hackeschen Höfen eine so genannte Uhr erwerben :lupe:


      Volker :zwinkern:


      Das hat mir gefallen ! Aber in die Hackeschen Höfe sollte man schon gehen.

      louis
      So interessant die Ausstellung auch ist: Das Ganze hat einen äußerst pikanten Beigeschmack und ist letzendlich nicht mehr als gute Vermarktung ! Der Höhepunkt bleibt für mich die angebliche Fliegeruhr aus den 30/40er Jahren. :teufel:

      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Das nenne ich geglücktes Marketing: :grinsen:

      "Berlin (dapd). Der traditionsreiche Berliner Uhrenhersteller Askania stellt sich in der Hängepartie um die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens auf mindestens ein weiteres Jahr des Wartens ein."

      In:

      business-wissen.de/nachrichten…uehestens-im-herbst-2013/

      Vgl.a.

      "Bereits zum fünften Mal wurde gestern der Askania Award verliehen. Berlins einzige Uhrenmanufaktur, die im letzten Jahr 140-jähriges Jubiläum feierte, würdigt mit dieser Auszeichnung jährlich im Vorfeld der Berlinale das cineastische Schaffen großer Künstler."

      In:

      trustedwatch.de/aktuell/societ…Zeit-trifft-auf-Zelluloid

      Vgl.a. ebd.

      trustedwatch.de/aktuell/busine…-jaehriges-Firmenbestehen

      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann

      ASKANIA - Uhren aus der Hauptstadt

      Auf der Internetseite der ASKANIA Mikroskop Technik Rathenow (Diese Firma hat nichts mit der heutigen Askania Uhren AG zu tun) gibt es eine Rubrik Uhren.

      askania.de/data/index.php?opti…sk=view&id=157&Itemid=198

      Hier wird ganz offensichtlich versucht, eine Verbindung zur einstigen Instrumentsparte herzustellen.

      Am Ende heißt es dann:

      "Kaum ein Flugzeug ohne Askania-Bordinstrumente in den 30er und 40er Jahren!

      Als logische Programmerweiterung folgte die Herstellung von hervorragenden mechanischen Flieger-Armbanduhren
      ."

      Was zuvor noch Andeutung war, wird hier schon als Tatsache verkauft. Wieder wird versucht zu suggerieren, dass tatsächlich damals Armbanduhren in Serie gebaut wurden.

      ______


      Mit der Frage: "Wie lässt man erfolgreich eine Marke wieder auferstehen, die Jahrzehnte tief in den Schubladen eines Weltkonzerns vergraben lag? Und wie kommt man auf die Idee dazu?"

      hat sich auch ein Berliner Management Beratungsunternehmen beschäftigt.

      Die Antwort weiß natürlich Leonhard Müller:

      unitcell.de/aktuelles/veransta…a-die-hauptstadtuhr-2010/

      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann

      RE: ASKANIA - Uhren aus der Hauptstadt

      Bei ASKANIA wurde eingebrochen; und das gliech viermal:

      morgenpost.de/berlin-aktuell/a…ia-erneut-ausgeraubt.html

      Ich zitiere:

      "Wertvolle alte Uhren wurden gestohlen.

      ""Leonhard Müller, Vorstandschef der Askania AG, der alteingesessenen Berliner Uhrenmanufaktur."

      "Einbrecher stahlen nur historische Armbanduhren"


      Selbst in diesem Artikel stecken suggestive Werbebotschaften. Die Einbrecher wissen eben, was gut ist. :zwinkern:

      Gruß,

      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Das Design ist sehr gefällig und viele Uhren auch sehr interessant. Ein absolutes No-Go ist aber die Kommunikationspolitik von Askania. Hier wird nicht nur bewusst die Herkunft der Werke verschleiert, es findet eben auch eine Aneignung von angeblicher Tradition statt, die es so nie gegeben hat. Es gab nie Fliegeruhren von Askania, es gab lediglich Bordinstrumente. Hier ist wieder ein Beitrag, der den Leser über diese Tatsache hinweg täuscht anläßlich der Einführung des Modells Cougar. Die dort zu sehende "alte" Armbanduhr ist ein reines Fantasieprodukt und wurde, wie ich bereits in einem anderen Beitrag gezeigt hat, neu gebaut:

      dirkfassbender.de/askania-cougar.html

      Das so etwas Deutschland nicht geahndet wird, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. ?(

      Gruß,
      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      "In einem Buch über Militäruhren erfuhr er von Askanias Vorkriegsprodukten. Es gelang ihm, einem österreichischen Sammler für 1500 Schweizer Franken eine alte Taifun-Pilotenuhr abzuringen."
      Vgl. morgenpost.de/berlin/article13…ck-nach-Berlin-kamen.html

      Ja, ja, was kümmert mich mein Geschwätz von vorgestern: :D

      " Der erste Schritt war, in Pforzheim einen Uhrmachermeister zu beauftragen, zwei alte Askania-Pilotenuhren nachzubauen. Parallel schrieb Müller rund 80 Berliner Werbeagenturen an. Tenor: „Ich trage mich mit dem Gedanken, ein altes Berliner Traditionsunternehmen neu zu gründen. Ich suche dafür einen Partner vor Ort, der mich bei Marketing und Werbung unterstützt.“
      Vgl. morgenpost.de/wirtschaft/artic…iss-wie-Berlin-tickt.html

      Die Ur-Askania Fliegeruhr ist in Wirklichkeit vom Himmel gefallen.

      Gruß,
      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann