Longines Majetek...

      Longines Majetek...

      Hallo,

      als neues Mitglied möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Klaus, ich bin 58 Jahre alt und beruflich in der Automobilentwicklung unterwegs.

      Angemeldet habe ich mich, weil ich den Eindruck habe, das hier kompetente Liebhaber klassischer Uhren einen fairen Umgang pflegen.

      Die Story: Vor fast zwanzig Jahren habe ich neben einer Jaeger Flugzeug-Borduhr und diversen Orden auch eine Longines Fliegeruhr geerbt, deren vormaliger Besitzer Luftwaffenpilot "der ersten Stunde" war, somit bin ich mir ganz sicher das diese absolut authentisch ist.
      Leider ist es mir nicht gelungen hier direkt ein Bild einzustellen, daher der Foto im Anhang.
      Auf dem Boden ist natürlich die Gravur "Majetek Vojenske Spravy und die viestellige Nummer 2***. Die Uhr funktioniert gut, die Gangabweichung ist ohne Justierung kleiner als 1min/12h. Lediglich die Lünette klemmt, ich mag da aber nicht mit Gewalt rangehen.
      Daher meine Frage: Kann ich die Uhr einem lokalen Uhrmacher anvertrauen, um die Lünette wieder gängig zu machen?
      ja, und dann noch: Was mag diese Uhr wert sein?

      Es würde mich sehr freuen wenn ich zu meinen Fragen Rückmeldungen bekommen würde.

      Grüsse Klaus
      Bilder
      • 20170213_220524.jpg

        930,14 kB, 2.048×1.536, 108 mal angesehen
      Hallo Klaus,

      willkommen im Forum. Das ist eine schöne originale Longines, die Du uns da mit gebracht hast. Die Lunette ist wahrscheinlich einfach nur durch Verschmutzung und Korrosion blockiert. Ich hatte mehrere von diesen Uhren und kenne das Problem. Dennoch würde ich nur einen erfahrenen Uhrmacher daran lassen. In welcher Region wohnst Du ? Bestimmt können Dir einige Mitglieder einen Tipp geben aus eigenen Erfahrung.

      Der Wert hängt immer vom Zustand ab. Wenn Du eine Revision machen lässt und sonst nichts aufarbeiten lässt, was die Orginalität zerstört, ist die Uhr meines Erachtens zwischen 2000 und 3000 Euro wert. Du kannst Dir anhand der Seriennummer bei Longines einen Stammbuchauszug besorgen. Das steigert den Wert noch etwas und schafft Klarheit. Was genau ist denn noch über den ursprünglichen Besitzer bekannt ? In welcher Einheit diente und welches Flugzeugmuster hat er geflogen usw. Hast Du noch ein paar Infos für uns ?

      VG Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Hallo Walter,

      vielen Dank für die schnelle Rückmeldung. Wie man unschwer erkennt habe ich von der Materie wenig Ahnung.

      Zunächst etwas über die Geschichte des Besitzers, von der ich nur einige Fragmente kenne. Er trat Mitter der dreißiger Jahre in die Luftwaffe ein, bekam aber eine Pilotenausbildung offiziell bei der Lufthansa. 1940 war er Pilot einer JU88 beim KG 30 und flog von Aalborg aus zahlreiche Einsätze nach England. 1943 flog er Nachtjäger JU88 beim Nachtjagdgeschwader 3. Er war auch an der Ostfront eingesetzt, ich vermute dies war vor 1940. An seiner Ordensspange findet sich ein bulgarischer Verdienstorden.

      Um mit meiner Uhr voranzukommen bitte ich um die Empfehlung von Uhrmachern. Ich wohne nördlich von Braunschweig, habe aber gesehen das es in Hannover einen von Longines zertifizierten Uhrmacher gibt. Würde es Sinn machen dorthin zu gehen? Damit wäre ja auch die Sache mit dem Stammbuchauszug erledigt.
      Und noch eine Frage:Was bedeutet Revision vom Umfang her und was wären ungefähr die Kosten?

      Danke vorab und viele Grüsse

      Klaus
      Revision würde bedeuten: Zerlegung des Uhrwerks und der anderen Komponeten wie Gehäuse usw. Die Longines hat ein Stülpgehäuse, bei der Gelegenheit kann man sich die Drehlunette vornehmen. Reinigung des Uhrwerks, ggf. Ersatzteile, wobei es hier wohl kaum etwas geben wird außer Aufzugsfeder; Schmierung, Zusammenbau und Justierung des Uhrwerks.

      Auf keinen Fall bitte eine Neuluminierung von Zifferblatt und Zeigern machen lassen. Das zerstört meines Erachtens den Vintagecharakter . Auch das Glas kann man lassen und bei Bedarf polieren. Die Krone scheint noch original zu sein. In jedem Fall den Umfang der Arbeiten vorher besprechen sonst bekommst Du eine optisch neue Uhr zurück, deren Seele zerstört wurde und deren Wert somit vernichtet wurde. Auch das Gehäuse würde ich nicht polieren oder aufarbeiten lassen ! Im Gegensatz zu den 80er und 90er Jahren geht man heute deutlich dezenter vor. Damals wurden beispielsweise die Zifferblätter einfach neu bedruckt. Das ist wie ein Bildersturm aus heutiger Sichtweise. Mal schauen, ob einige Mitglieder sich hier in Sachen Uhrmacher noch zu Wort melden. Warte einfach noch ein paar Tage; das dauert manchmal bis die Jungs aus den Löchern kommen. :D

      Gruß,
      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Halllo Walter,

      danke für Deine Hinweise. Mein Verständnis geht auch dahin die Patina nicht zu zerstören, auch wenn das Zifferblatt wirklich nicht mehr schön aussieht. Das Gehäuse hat zwar Gebrauchsspuren, aber keine Beschädigungen.
      Und ich ziehe diese Uhr nach so vielen Jahren einfach auf, und sie funktioniert , und das ziemlich gut. Als technisch affinen Menschen beeindruckt mich das sehr.

      Nun warte ich einfach bis vielleicht eine Rückmeldung von anderen Mitgliedern kommt, die Uhr hat Zeit, schon so viele Jahre....

      Schönen Abend
      Klaus
      Moin :)

      Die Frage die sich mir hier stellt, ist: Welches Kaliber tickt in der Uhr? Es gibt insgesamt drei verschiedene. Sie haben auch nicht unerheblichen Einfluß auf den Wert der Uhr. Wenn der Vorbesitzer Pilot der Luftwaffe der Wehrmacht war, dann müsste diese Uhr eine Vorkriegsproduktion sein. Dieser Typ wurde aber bis 1947/48 an die tschechische Luftwaffe geliefert. Eine solche Uhr, mit der beschrieben Historie kann aber nur Vorkrieg sein, da es sich um Uhren handelt, die dann durch die Besetzung der Tschechoslowakei an die Luftwaffe gingen. Meine Uhr ist laut Auszug von Longines von 1947 und verfügt ebenfalls über eine Nummer die mit einer 2(!) beginnt. Weiß jemand über die Nummerierung des Bodens genau Bescheid?

      Ansonsten schönes Stück :)

      René
      Moin Renè
      danke für den Beitrag, das ist der Ansatz dem ich nachgehe. Im Netz habe ich ja auch mal geschaut, konnte aber bei den wenigen Angeboten, wo das angebliche Herstellungsjahr und die Bodennummer vermerkt war keine Logik finden, ebensowenig wie in der Bedruckung des Zifferblatts.
      Also wollte ich mich entsprechend dem Rat von Walter um einen Stammbuchauszug von Longines bemüht, dafür brauchte ich aber die Seriennummer . Mangels vertraueswürdigem Uhrmacher habe ich mich überwunden die Uhr selbst zu öffnen (natürlich gaanz vorsichtig, habe einen Gesellenbrief als Feinmechaniker von 1978), um entsprechende Bilder zu machen, ging wirklich gut.
      Jetzt hoffe ich mal das die Bilder angehängt sind, da sieht man das Werk.

      Also habe ich Longines über das Kontaktformular um einen Stammbuchauszug gebeten, konnten dort aber nur die Seriennummer mitteilen, dae upload von Bildern funktionierte nicht. Ich habe um Support gebeten und warte auf Antwort.

      Klaus

      Zur Gravierung der Böden habe ich irgendwo gelesen das diese nicht von Longines, sondern von den Tschechischen Militärbehörden vorgenommen wurde.
      Danke, das sieht ja wirklich danach aus das meine Informationen über die Historie stimmen, habe allerdings auch nicht gezweifelt.
      Bezüglich des Zifferblatts muß ich mal genau nachsehen wenn ich zuhause bin. Mein Eindruck war das es nicht emailliert ist sondern bedruckt.
      Woran erkenne ich das denn eindeutig?

      Gruß
      Klaus
      Moin,

      habe gerade das Zifferblatt in Augenschein genommen. Die Sichfläche ist wie man auf dem Bild von heute morgen sieht, schwarz seidenmatt. Wenn ich von der Seite schaue ist der Rand umlaufend weiß. Per Auge geschätzt ist die Stärke ca. 0.3 mm.

      Kann man daruas etwas ableiten?

      Gruß
      Klaus
      Moin,
      Mangels Erfahrung kann ich das nicht abschätzen, ich würde denken das eine emaillierte Oberfläche durch das Aufschmelzen eines Substrats nicht so eben sein kann. Das Zifferblatt ist optisch eher vergleichbar mit Eloxal.
      Sobald ich Rückmeldung von Longines bekomme werde ich das natürlich hier mitteilen.

      Gibt es einen Tip für einen vertrauenswürdigen Uhrmacher aus meiner Gegend der die Lünette wieder gängig machen kann?

      Gruß Klaus
      Moin :)

      Ich habe mehrere Uhren mit emailliertem Zifferblatt :) So schön sie sind, bekommen leider mit der Zeit tlw. ihre Risse :-/ Nun ja, bin mal gespannt auf den Auszug von Longines :)

      Hier mal ein schönes Buch:

      amazon.de/Czechs-RAF-Focus-Zde…keywords=Czech+in+the+RAF

      Liest sich sehr gut und es sind schöne Bilder drinnen :)


      Denke mal, dass bekommt jeder normale Uhrmacher hin :)

      Grüße zur anderen Majetek: René