Was nicht passt wird passend gemacht! Seltsames aus der Werkstatt

      Was nicht passt wird passend gemacht! Seltsames aus der Werkstatt

      Hallo,

      bei der Revision von Fliegerchronos stoße ich immer wieder auf abstruse Reparaturen. Das eine oder andere will ich hier mal vorstellen.
      Uhrmacher (oder die sich dafür halten) können ein Uhrwerk bekanntlich am gründlichsten ruinieren, da kann der Laie nur von träumen :)

      Wenn ein Teil ersetzt werden soll, aber kein Original verfügbar ist, dann ist der richtige Weg, das neue Teil so anzupassen, dass es trotzdem ordentlich funktioniert.

      Mancher "Reparierer" macht es aber anders rum: Am Werk wird solange verändert (auf Deutsch: vermurkst), bis das falsche Teil leidlich passt.
      Ich sehe das leider regelmäßig bei meinen Reparaturen. Die angerichteten Schäden sind oft gewaltig, Originalteile passen dann nicht mehr.

      Im folgenden Beispiel war eine nicht originale Aufzugwelle eingebaut. Da der 4-kant der Welle zu lang war, wurde halt das störende Zapfenlager beseitigt! (Richtig wäre, den 4-kant in der Drehbank zu kürzen). Spätestens beim Zeigerstellen rutscht dann der Zapfen aus seinem Lager:


      Reparatur: Um den Rest wegzufräsen und Montage eines neuen Putzens vorzubereiten, schraube ich das Werk an seinen Kalibrierlöchern auf eine Grundplatte, die dann in der Fräse zentriert sitzt. Die passend angefertigten Zapfen- und Flachfräser waren von einer früheren Reparatur schon vorhanden (gut für meinen Kunden...).


      Lagersitz gefräst:


      Neu angefertigtes Lager (mit Ansatz) montiert:


      Dass diese Beschädigungen keine Seltenheit sind, zeigen diese Bilder früherer Arbeiten:


      Gruß,
      Frank
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      Fliegeruhren - Hanhart Vintage Service
      Danke Frank für die Teilhabe an Deiner täglichen Praxis und Deinem Können - sehr interessant. Nur Chirugen pfuschen wahrscheinlich noch mehr als die von Dir geschilderten "Experten". Aber da guckt dann final keiner mehr in den Patienten rein..... :D

      Gruß,
      Walter
      "Ich bin ein Höhlenbewohner. Die Zimmer mit Aussicht überlasse ich Ihnen" - G. Bachmann
      Hallo Walter,

      deshalb würde ich mir 3x überlegen, ob ich so einen an mich ran lasse.

      Ein weiteres Beispiel:
      Hier ist ein sehr kurioser Fall. Die Uhr kam aus USA, wo es keine handwerkliche Ausbildung gibt wie bei uns. Im NAWCC Forum trifft man solche Leute, die gegen Bezahlung für Kunden reparieren, aus deren Beiträgen aber deutlich wird, dass sie schreckliche Dilettanten sind. Im Grund bedauernswerte Leute, die sich für wenig Geld mit ihren Objekten quälen. Trotzdem schlecht für die Uhren.

      Folgender Künstler war ein Meister des Klebstoffs, was an vielen Stellen im Werk deutlich wurde.
      Zapfen des Minuten-Zählrads abgebrochen, eigentlich keine große Sache.


      Behelf: Messingring auf den Stein geklebt, der den Wellbaum in Position hielt!
      (Leider hatte ich keine Originalfotos gemacht):


      Reparatur war hier mal einfach: Welle gegen neue Originalwelle getauscht.
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      Oh, ja
      Auf jeden Fall. Das erinnert mich alles stark an die Gunsmith hier in Kanada.
      Wenn ich erzähle, dass ich Master craftsman gunsmith bin, werde ich oft gefragt wo man so ein online Kurs machen kann.
      Dementsprechend sehen oft Resultate der "Kollegen" aus.
      Manche haben mit der Zeit sich ein können zugelegt, aber der Rest.... OMG
      Mir ist jetzt schon Angst und bange, wenn eine meiner Uhren zur Revision geben soll.
      Ich hab jedoch einen European watchmaker gefunden. Er hat einen osteuropa Akzent. Zumindest wusste er gleich vom anschauen durch den Glasboden welches Uhrwerk in meiner Hanhart Replika drin ist. Vielleicht ist der nicht so schlecht.
      Zurück zum Thema....
      Ja bitte mehr Berichte, ich bin jedesmal happy wenn ich von Dir lese.

      Zu "fähigen" Kollegen....
      Ein Uhrmacher Meister südlich von Heidelberg (ein arroganter Typ) hats fertig gebracht eine zu lange Schraube in eine jaeger lecoultre (ich glaube eine reverso) so reinzuknallen, dass diese auf der anderen Seite irgendwas zerstört hat. An Details was kaputt war, kann ich mich nicht mehr erinnern, aber das war eine Uhr eines Bekannten.
      Das Werk wurde eingeschickt und kam mit dem Vermerk zurück, dass nur fachkundige Reperaturen durchführen sollten.
      Was mich immer besonders ärgert, sind falsche, reingewürgte Schrauben. Gern mit zu großem Gewinde, sodass die Gewindebohrung aufgeweitet ist und keine Originalschraube mehr passt. Das ist pure Faulheit! Zumindest eine Schraube mit gleichem Gewinde sollte meistens aufzutreiben sein.
      Der Reparaturaufwand wird dann unnötig hoch (aufbohren, Loch füttern, bohren, Gewinde schneiden), denn auch sonst ist bei solchen Exemplaren ja genug zu tun.

      Bei diesem lustigen Ersatz stimmte das Gewinde überein, da will ich nicht mal meckern:

      Eine sichere und verschleissarme Lagerung war das aber keinesfalls!

      Hier wird's doller: Durchmesser zu groß -> Gewindeloch zerstört. Rechtsgewinde (original Linksgewinde). Zudem wurde der Hebel (Nullsteller) links befeilt, was ein Wippen und riesen Höhenspiel erzeugt, Funktion wird völlig unsicher.


      Auch hier: Durchmesser zu groß = Gewindeloch zerstört (1). Der Ansatz, auf dem der Hebel drehen soll, ist viel zu kurz (2), also wurde nur halb eingeschraubt.


      Auf dem letzten Bild ist noch ein weiterer Murks zu sehen.
      Bei dieser Art Lagerung mit Ansatzschraube arbeitet sich der Ansatz mit der Zeit in die weichere Grundplatte ein, und irgendwann klemmt der Hebel, wenn die Schraube korrekt angezogen wird.
      Hier wurde der Hebel deshalb unten abgeschliffen, damit er dünner wird und wieder frei dreht(3).
      Folgen: Höhenlage ändert sich, Streifungen und Funktionsstörungen entstehen, Rad kann ausser Eingriff geraten.
      Üblicherweise wurde von Hand abgeschliffen, sodass die neue Fläche schief und unflach wird, alle möglichen Funktionsstörungen (s. o.) werden erzeugt. Auf jeden Fall ist dieses rare Teil dauerhaft ruiniert!
      Richtig wäre es, den Schraubenkopf von unten etwas abzufräsen (oder abdrehen), was den Ansatz verlängert und das Höhenspiel wieder herstellt.
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      Hier hätte ich noch ein letztes Highlight. Ein Lager des Kleinbodenrads in einer Urofa 59 wurde ersetzt:



      Wozu dieses Gemetzel an der Grundplatte nötig war, bleibt ein Geheimnis. Aber schon mit dem Auge ist erkennbar, dass der Stein nicht mittig im Futter sitzt. Ob das Probleme mit dem Eingriff gab? Jedenfalls sah der zugehörige Zapfen so aus:



      Zapfen war der Länge nach halbiert! Der Querschnitt war tatsächlich ein Halbkreis.
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      Sperrad Urofa 59

      Die Sperrrad-Zähne des Werks Urofa 59 sind etwas schwach dimensioniert, deshalb sieht man da ab und zu einen abgebrochenen Zahn. Der wird dann ersetzt, denn Ersatzteile sind ja bekannt rar.

      Bei einer aktuellen Reparatur war ich aber doch platt: es fehlten jede Menge Zähne am Sperrrad. Ursache war hier wohl die viel zu starke Zugfeder. Entweder hat jemand einfach genommen, was grad in der Schublade war, oder die eigentlich nötige Überholung sollte so vertuscht werden.
      Images
      • sperrad.jpg

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      Nicht unbedingt etwas genommen,was gerade da war,sondern vielleicht auch woher nehmen und nicht stehlen???
      Ich habe auch schon in den 90er Jahren Hanhart und Tutima Cal.59 Werke repariert und in der Vergangenheit gab es nun mal kein Internet und es war extrem schwer Teile zu bekommen.Heutige Kontakte über das Internet zu knüpfen und aus Uhrmachernachlässen Teile abfischen gab es damals eben nicht.
      Klar Pfusch ist und bleibt Pfusch,aber in der Vergangenheit hatte ein Hanhart Kaliber bei weitem nicht diese Aufmerksamkeit von Uhrmachern erfahren wie heute.Da ging es nach der Devise:Hauptsache läuft.Wenn man heute so etwas vorfindet ,sträuben sich natürlich einem die Nackenhaare....

      Gruß
      Stimmt, dass diese Uhren (viel) früher nicht als heilige Sammlerstücke behandelt wurden.
      Dafür war es viel einfacher, über den Furniturenhandel die passende Feder zu bekommen. Wie auch ohne Werksuchertabellen (Urofa) die richtige Feder bestimmt wird, konnte und sollte man auch damals gewusst haben.
      Heute beziehe ich die Federn direkt vom Schweizer Hersteller.

      Gruss
      Frank
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      <p>Hier mal wieder ein Beispiel, was liebevolle Zuwendung und sorgf&auml;ltige Wahl der Schraubendreher aus(an-)richten kann...</p>

      <p>&nbsp;</p>
      Images
      • AH_Kratzer.jpg

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      GH Gehäuse Arbeiten

      Die hier besprochene Uhr kam zu zu mir mit dem Auftrag auf Rekonstruierung von Drücker und Krone (die Drückertubes waren übrigens vor Überholung des Gehäuses noch vorhanden!).

      Ein Drücker fiel mir fast von selbst entgegen.


      Da die Gehäusebeschichtung eher bläulich ist, vermutete ich matt Chrom. Die üblicherweise vernickelten Zubehörteile passsen da farblich garnicht, deshalb wurden die Drücker und angefertigten Tubes zum Mattverchromen der Galvanik anvertraut.
      Nach Vergleich ist es aber wohl doch nicht Chrom, was da das Gehäuse bedeckt, sondern eher hauchdünn Rhodium?

      Ersatztubus, Drückerkappe und Zubehör:


      Die Reste der originalen Drückertuben sind noch sichtbar, die angebrachten Bohrungen leider alles andere als zentrisch.
      Die fehlende Kronendichtung ersetzte ich später auch, nach Richten ihrer zerdellten Kapsel (Pfeil).


      Für die Reparatur wird zuerst eine plane Auflage gefräst, zentriert auf die originalen Positionen, im Durchmesser des Tubus-Oberteils:


      Anschliessend die Bohrung für den Tubus. Sie wird rel. groß, da sie das vorhandene (exzentrische) Loch knapp einschliessen muss. Sie schneidet so auch den letzten Gang des Bodengewindes an. Deshalb wird am inneren Tubusende ein Ansatz angefeilt, der das Gewinde frei hält.


      Zusatzaufgabe: Schon anfangs fiel beim Betätigen der Krone auf, dass wohl die Winkelhebelfeder, welche die Zeigerstell- und Aufzugposition fixiert, gebrochen ist. Leider ist das erst nach Entfernen von Zeigern und Blatt zu erkennen: eine Ersatzfeder war nötig.


      Alles wieder montiert. Seltsamerweise wurden in Wien die kleinen Zeiger belassen, der noch originale Zentralsekundenzeiger aber gegen einen anderen, etwas zu dicken getauscht.


      Gruß, Frank
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      Servus Frank,
      die Uhr ist doch wieder gut geworden. Schön, dass du uns in deine Arbeit reinschauen lässt, weil es ist für mich als Laien immer sehr interessant wie so kleine Teile bearbeitet werden.
      Viele Grüße
      Felix
      SMS Viribus Unitis 1911
      Danke Frank für die gute Arbeit; ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden

      Wie schon in älteren Postings erwähnt war die Uhr beim Kauf eine Ruine; mit heutigem Wissen hätte ich da nie zugeschlagen; überdies hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht Franks Kontakt und gab sie einem zwar guten aber nicht auf Vintage Chronos spezialisierten Uhrmacher. Das Ergebnis war in mehrerlei Hinsicht nicht zufriedenstellend.
      Ähnliche Erfahrungen hab ich selbst mit einfachen Dienstuhren gemacht - ein pensionierter Uhrmacher in meiner ursprünglichen Heimatgemeinde hatte das gut im Griff; 1 x eine Dienstuhr zu einem Uhrmacher nach Wien gegeben - der wäre mir an dieser Aufgabe fast zerbrochen :)

      LG
      Biatec
      Ein toller Thread! Es ist zwar wie ein Autounfall - man MUSS einfach hingucken, obwohl es einen graust - aber die Einblicke in diese Detailarbeit lassen die Wertschätzung für eine wirklich gute Uhrmacherarbeit nur noch größer werden. Wirklich schade, dass der Laie solcherlei Pfusch nicht gleich selbst erkennen kann.
      Beste Grüße
      Jan

      Keep on ticking...