PRIM Tschechische Armee bzw. Luftwaffe

  • Die Informationen zu der Prim Orlik sowie überhaupt zu der Marke Prim kann man dem Buch „Primky“ von Libor Hovorka entnehmen. Leider ist das Buch nur auf Tschechisch und auch nur in Tschechien erhältlich, zumindest wenn man nur den Ladenpreis bezahlen will. Demnach startete das Verteidigungsministerium 1959 ein Projekt zur Ausrüstung der CSSR-Militärtaucher mit einer entsprechenden Uhr. Es wurden diverse Anforderungen an die Wasserdichtigkeit, Stoßfestigkeit, Lebensdauer und so weiter definiert. Das Projekt dauerte mehrere Jahre. Die Prototypen und schließlich auch die Uhr wurde dann in „Nove Mesto nad Metuji“ hergestellt. Dies ist bis heute der Produktionsstandort der Prim-Uhren durch die Firma „Elton hodinarska“. Die Uhr wurde nicht nur vom produzierenden Unternehmen sondern auch vom Militär ausgiebig getestet. Ein irrer Aufwand, man bedenkt, dass von den ursprünglich 600 bestellten Uhren dann nur 300 an das Militär ausgeliefert wurden. Die Uhren wurden durchnummeriert. Auf der Rückseite findet sich zunächst die 65 für das Produktions Jahr und dann eine dreistellige Seriennummer. Auch das Werk wurde deine roten Aufschrift „0-51“ gekennzeichnet. Ausgeliefert wurde die Uhr mit einem grauen PVC Armband.

  • Warum die doch durchaus hochwertigen und ansprechenden Uhren von Elton hodinarska nicht stärker international vermarktet werden, ergibt sich vielleicht aus der Geschichte: Die Produktionsstätte von Elton in „Nove Mesto nad Metuji“ und die Muttergesellschaft „Chronotechna“ wurden nach der Wende separat privatisiert. Es gibt also nun zwei Firmen, die den Namen Prim verwenden dürfen. Elton hodinarska produziert weiterhin am ursprünglichen Standort hochwertige Uhren mit eigenen Manufakturkaliber. Daneben gibt es noch eine zweite Firma, die ebenfalls den Namen Prim verwendet und Uhren herstellt, die preislich weiter unten angesiedelt sind. Diese ist aus der früheren Muttergesellschaft Chronotechna hervorgegangen. Es gab wohl auch zahlreiche Rechtsstreitigkeiten zwischen den beiden Unternehmen. Da liegt die Vermutung nahe, dass man sich mit internationalen Auftritten etwas schwerer tut. Das würde zumindest unsere Verwunderung erklären, warum die Uhren im Ausland so schwer erhältlich sind.


    https://en.m.wikipedia.org/wiki/PRIM_(watches)

  • Ja, das sind interessante Uhren, die vielen Uhrenfreunden gänzlich unbekannt sind. Wir haben hier in mehreren Beiträgen schon einiges an Material dazu gesammelt. Hinter der Marke steckt auch ein gewisser nationaler Stolz. Man hätte auch einfach die bewährten russischen Modelle nehmen können. Aber nein, man wollte sowohl für die Taucher als auch für die Piloten eigene Produkte haben. Das merkt man bis heute, denn wie schon beschrieben ist es selbst im vereinten Europa gar nicht so einfach an eine PRIM zu kommen. Man hat den Eindruck, die Tsch. würden die Prims am liebsten für sich behalten. :) Immerhin bieten jetzt Händler die Marke über Chrono24 an.


    Gruß,

    Walter

  • Interessant ist auch, wie es dann nach 1965 weiter ging, nachdem die Orlik ausgeliefert worden war. Nach der Lieferung der 300 Taucheruhren forderte das Verteidigungsministerium weitere 600 wasserdichte Uhren an, die für militärische Zwecke verwendet werden sollten. Aufgrund des extrem hohen Aufwandes, der bei der Prim Orlik betrieben worden war, suchte man nun nach einer praktikableren Lösung. Diese neue Uhr sollte einer standardisierten Serienproduktion zugänglich sein. Chrono Techno produzierte ja damals am Standort in „Nove Mesto nad Metuji“ bereits Uhren unter der Marke Prim, die seit den fünfziger Jahren hergestellt wurden. Die CSSR ist war damals damit wohl einer der wenigen Länder weltweit außerhalb der Schweiz die Uhren mit eigenen Manufaktur Kaliber herstellte. daher rührt wohl auch der bis heute spürbare stolz auf die Marke. Einer der ersten Uhren war das Modell Spartak. Auf der Suche nach einer wasserdichten Uhr wurde das Projekt „Elton Sport“ geboren. Der Begriff „Sport“ stand in den Folgejahren bei Prim also Synonym für Wasserdichtigkeit. Die „Elton Sport“ orientierte sich bei der Lünette an der Prim Orlik mit einem absteigenden Skala von 50-10 und einer Perle auf der zwölf. Daneben gab es wohl noch eine zweite Variante mit einer aufsteigen Skala und ohne Perle. Auch die Elton Sport wurde für militärische Zwecke an das Verteidigungsministerium ausgeliefert und hatte auf der Rückseite eine entsprechende Nummerierung. Gleichzeitig wurde nun begonnen, diese wasserdichte Uhr auch für den privaten Markt herzustellen. Hierbei wurde nun die Bezeichnung „Prim Sport“ verwendet und nicht mehr „Elton Sport“. Heute werden diese Uhren als „Prim Sport 1“ bezeichnet, da es später noch eine zweite Variante gab.

    Hier ein paar Bilder dieser Prim Sport, die ab Ende der sechziger Jahre hergestellt wurde. Das Foto zeigt ein Modell aus den frühen Siebzigern.


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  • Ich habe mal gelesen, die militärischen PRIM Sports hätten eine 6 atm Markierung anstatt der zivilen 4 atm auf dem Rückdeckel. Ich habe leider noch nie eine zu Gesicht bekommen. 6 atm macht ja auch Sinn bei einer Verwendung im militärischen Bereich. Mit 4 atm wird die Uhr wahrscheinlich absaufen - ein Problem, das es wohl auch bei den Spezichron Modellen für die NVA. Die waren nämlich auch nur 4 atm wasserdicht.


    Gruß,

    Walter

  • Von dieser Prim Sport 1 wurde letztes Jahr eine auf 50 Stück limitierte Edition von Elton hodinarska auf den Markt gebracht. Nachfolgend mein Exemplar, was in einer ganz netten Box ausgeliefert wurde. Mit dabei war unter anderem ein Fischmesser (?) aus tschechischer Produktion, das die gleiche Seriennummer aufweist. Die Uhr ist mit dem Automatik-Kaliber von Prim (95.00) ausgestattet. Mit dem Durchmesser von 38 mm lässt sie sich gut tragen. Die Originale waren natürlich Werke mit Handaufzug. Trotz der kleine Abweichungen vom Original finde ich die Replica sehr gelungen und ich trage sie derzeit sehr gerne am Handgelenk.

  • Ich habe mal gelesen, die militärischen PRIM Sports hätten eine 6 atm Markierung anstatt der zivilen 4 atm auf dem Rückdeckel. Ich habe leider noch nie eine zu Gesicht bekommen. 6 atm macht ja auch Sinn bei einer Verwendung im militärischen Bereich. Mit 4 atm wird die Uhr wahrscheinlich absaufen - ein Problem, das es wohl auch bei den Spezichron Modellen für die NVA. Die waren nämlich auch nur 4 atm wasserdicht.


    Gruß,

    Walter

    Das stimmt. Die Sport-Variante war wohl auf sechs ATM ausgelegt. Hierzu gibt es eine für Sammler interessante Anekdote: die Elton Sport, die zunächst für den militärischen Bereich Ende der sechziger Jahre produziert wurde, wurde auf dem Rückendeckel mit fünf ATM graviert und auch entsprechend ausgelegt bezüglich der Wasserdichtigkeit. Dies wurde vom Militär noch vor der Auslieferung als unzureichend abgewiesen. Darauf hin wurde die Uhr überarbeitet, damit sie die Anforderungen für sechs ATM erfüllt. Die Rückendeckel waren aber schon hergestellt und mit der 5 graviert. Materialsparend, wie man wahrscheinlich Ende der sechziger Jahre hinter dem eisernen Vorhang dachte, wurde die Uhr nun umgraviert. Hieraus entstand die heute so genannte „Elton sechs.“ Aus der fünf wurde eine sechs gemacht. Elton hodinarska hat vor ein paar Jahren eine Replika der Elton Sport auf den Markt gebracht, auf deren Rückseite auch die „Elton sechs“ nachgebildet wurde. Das Foto hiervon kann man heute noch im Netz finden. Man sieht sehr schön die umgravierte sechs, die vorher eine Fünf war:

  • Solche Uhren mit der Elton 6 existieren natürlich auch im Original. Sie sind selten und dementsprechend schwer zu finden. Ob die militärische Variante nur als Elton Sport oder auch als Prim Sport ausgeliefert wurde, ist mir nicht völlig klar. In den tschechischen Foren findet man dazu einige Diskussionen. Angeblich gab es beides. Die Situation war in der CSSR Ende der sechziger Jahre auch alles andere als übersichtlich…

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