Risikoradar für die Wirtschaft

  • In vielen Beiträgen hier zum Thema "Uhren als Wertanlage" wurde deutlich, dass es keine Preiskorrektur im Sinne eines Chrashs am Vintage-Uhrenmarkt gibt, wie wir ihn etwa von den Wertpapier- oder Immobilienmärkten kennen. Es gibt zwar Preiskorrekturen, Liquiditätsenge und Einschränkungen bei den nachgefragten Modellen aber eine reinigende Korrektur, die dem Markt den enormen Druck nimmt. der sich in den letzten Jahren aufgebaut hat, wird es ohne gesamtwirtschaftliche Einbrücke wahrscheinlich nicht geben. Deswegen ist es wichtig, die allgemeine weltwirtschaftliche Entwicklung im Auge zu behalten und drohende Risiken zu beobachten. Ich möchte in diesem Beitrag fortlaufend gesamtökonomische Entwicklungen verfolgen, die einen maßgeblichen Einfluss haben können und als Risikofaktoren gelten. Wir erinnern uns: 2008 brach anlässlich einer beispiellosen Finanzkrise, welche sich an den Immobilienmärkten entwickelt hat sowohl der Neuuhrenmarkt als auch der Vintageuhrenmarkt dramatisch ein. Erst die nachfolgende Sachwertorientierung trieb viele "Investoren" in die "neue Assetklasse" Vintage-Uhren und löste eine bis dato nie gekannte Wertsteigerung aus. Wir wissen alle nicht, was kommt. Aber es ist immer gut zu wissen, was vor sich geht. Hier sollen keine Verschwörungsszenarien aufgezeigt, sondern nüchtern auf Risiken verwiesen werden für Alle, die auf dem Vulkan ungeheuerer Sachwertsteigerungen tanzen. Die Korrektur kommt, die Frage ist nur wann und wie. Gruß, Walter

  • Lieber Jan;
    diese von Ihnen angeführten 95 % , die ihre Dauerschuldverpflichtung nicht monatlich aus der Portokasse leisten können, hat es zu allen Zeiten gegeben. Dass sie bei der gegenwärtigen Zinspolitik die verführten sind, steht nicht in Frage. Dennoch ist ihre Leistungsfähigkeit individuell zu bewerten. Es wird die Krise nicht abwenden, aber der Markt richtet - Käufer freuen sich, Verkäufer sind möglicherweise ruiniert. War 2008 alles schon mal da.


    Gute Grüße
    Karl , Ledermax-retro.de

  • Man braucht ja gar nicht so weit zu gucken (Südafrika & Venezuela), denn mit Griechenland, Italien, Spanien & Frankreich haben wir doch 4 Länder in unserer nähe, die aus ihrer Verschuldung nicht so wirklich rauskommen...
    ... & die Vereinigten Staaten sind kurz vor der 20 Billionen $ Marke ;(

  • Ich will ja nicht so tun als hätte ich große Ahnung von Makroökonomie, aber ich habe natürlich Überzeugungen. Und eine davon ist, dass Wirtschaftsräume über Gesellschaften bis hin zum Individium ohne Kredite - also Verschuldung - als Wirtschaftsfaktoren nicht funktionieren können.
    Die Verschuldungshöhe ist erst dann von Bedeutung , wenn zu einem Zeitpunkt X der Gesamtbetrag fällig wird. Es ist also lediglich eine Frage von den Größen der Wirtschaftsräume und dem Willen der Gläubiger zur Prolongierung. Und da die Staatsverschuldungsfragen eher politischer Art als monetärer Rechnungsstellung sind, ist das bis zum Sanktnimmerleinstag möglich.
    Griechenland ist in der Prolongierung ein gutes Beispiel und bei den größeren Volkswirtschaften läuft das im Prinzip auch nicht anders.


    Gute Grüße
    Karl , Ledermax-retro.de


  • Man kann dieses makroökonomische Thema ganz einfach ins Private projezieren, um es besser beurteilen zu können. Natürlich sind Schulden ein Teil unseres Systems, sozusagen der Leverage-Effet des modernen Kapitalismus.


    Wenn man heutzutage einen Privatkredit haben will, wird seitens der Bank die so genannte Schuldentragfähigkeit geprüft; ebenso bei Hypothekenkrediten die Anschaffung, also die Werthaltigkeit des Objekts. Zur Schuldentragfähigkeit gehört auch eine langfristige Betrachtung der Liquidität, also die Beantwortung der Frage: Unter welchen Voraussetzungen kann sich Jemand eine bestimmte Belastung überhaupt leisten.


    Um eine solche Prüfung geht es primär auch bei Staaten. Schulden haben sich weltweit durch falsche nicht nachhaltige Politik sehr hoch aufgetürmt. Was für eine Volkwirtschaft wie Japan gerade noch tragfähig ist, ist für ein Land wie Griechenland unmöglich. Die Rogov-Studie hat trotz einiger Rechenfehler den Zusammenhang zwischen Schuldenstand und Wirtschaftswachstum historisch sehr schön aufgezeigt.


    Wir wundern uns nicht über die Schlussfolgerung, dass hohe Verschuldungsgrade auch innerhalb der Tragfähigkeitsgrenze zu ernsthaften Problemen führen können, da den Staaten die Handlungsfähigkeit genommen wird. Ein ungerechtes Sozialsystem, fehlende Infrastrukrurmaßnahmen u.v.a. sind die Folgen.


    Natürlich kann man, wie es auch einige Ökonomen gerne tun, alles zum New Normal erklären. Vernünftig wäre aber zu sagen: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Entweder man löst das Verschuldungsproblem und sei es auch unter Zulassung von radikalen Mitteln wie Staatbankrotts oder Währungsreformen oder man riskiert tiefgreifende soziale und politische Veränderungen über Sozialkämpfe bis zum rechten Populismus. Denn dieser funktioniert nur deswegen so gut, weil er einfach und völlig unrealistische Lösungen für die Probleme präsentiert. Die Massen der Dummen glaubt ihnen.


    Das gegenwärtige System funktioniert leider nicht bis zum Sanknimmerleinstag. Auch wenn andere einspringen, wie in der Eurozone, bleibt der Schuldenberg bestehen. Die dagegen stehenden Forderungen gehen über die Kapitalmärkte und hier wird dann über Vertrauen oder Mißtrauen entschieden.


    Dieser Beitrag passt gut dazu: http://www.xing-news.com/reade…ue&xng_share_origin=email


    Gruß,
    Walter

  • Lieber Walter;
    das sah John Maynard Keynes anders. Der Eingangsbeitrag bezog sich auf Schulden in Währungssystemen. Deren Prolongierung ist aber letztendlich eine politische Entscheidung und wie diese ausfallen ist ja zu sehen.
    Die Einwände dagegen sind ideologischer Art. Die Damnatio nomen über Keynes ist Geschichte. Die Entwicklung der Makroökonomien im neoliberalen Kapitalismus haben ihn bestätigt. Eure berechtigten Einwände und die Befürchtung des Währungszusammenbruchs bei Fälligstellung hat Keynes bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts folgendermaßen beantwortet. "Bevor das Fällig wird, sind wir alle tot !"


    gute Grüße
    Karl . Ledermax-retro.de

  • Kein Wunder, denn Keynes war ein klassischer Schuldenmacher. Falsch ist die Annahme, dass das Schuldenproblem erst bei Fälligkeit greift und deswegen quasi die Prolongation die Rettung ist. Zu Keynes Zeiten waren Schulden insgesamt noch tragfähig. In den letzten 17 Jahren haben sich die Schulden vieler Länder nahezu verdoppelt.


    https://de.wikipedia.org/wiki/…_nach_Staatsschuldenquote


    Das Risiko hoher Schulden liegt vor allem im Kapitaldienst, der den Staatshaushalt belastet. Einzubeziehen sind deswegen auch die Schuldenberge gegenüber den Sozialsystemen. Beispiel Frankreich: Hier beträgt die Durchschnittsrente 1700 € ggü. 1100 € in Deutschland. Im Jahr 2000 lag die frz. Schuldenquote bei 57 % des BIP; heute liegt sie bei 98 %. Ohne drastische Reformen wird das Land in die Pleite steuern, dennoch suchen die Frz. ihr Heil in einer europäischen Schuldenvergemeinschaftung und haben mit dieser irrsinnigen Politik den Front Nationale stark gemacht. Denn natürlich hat man bei hohen Schulden auch eine hohe Arbeitslosigkeit, leere Kassen usw.


    Es ist also ein Teufelskreislauf dessen Ausmasse Keynes nicht einmal erahnen konnte. Bankenrettung, Subprimekrise usw. waren für nicht denkbar. Man sollte also vorsichtig damit sein, zu sehr alten, wenn auch nicht toten Theorien anzuhängen. Keynes würde diese Probleme genauso wenig lösen können wie seine (neo)liberalen Kontrahenten. Das Risiko von Staatspleiten ist also nur der denkbare Ende einer Schuldenpolitik. Auf dem Weg dahin radikalisiert sich die Welt. Keynes hat seinerzeit das Diktat von Versailles gegenüber Deutschland auf das Heftigste kritisiert und mit verantwortlich gemacht für die Machtergreifung der Nazis. Das wollte damals natürlich niemand hören.


    Gruß,
    Walter

  • Lieber Walter;
    wie ich schon schrieb; dieser Ideologiekonflikt ist und bleibt eine Überzeugungsfrage ; jedenfalls solange, wie die Weltwirtschaft kapitalistisch verfasst ist. Ihre Argumentation ist insofern zutreffend, als sie von einer klassisch Betriebswirtschaftlichen Sicht ausgeht, die im übrigen trotz ihrer Distanzierung von Milton Friedman doch sehr nach der Chicagoer Schule klingt. Zweifellos sind die Interdependenzen zwischen der Summe der Briebswirtschaften und der makoökonomischen Märkte vielfältig und folgenbehaftet. Trotzdem bin ich nicht der Ansicht, dass Volkswirtschaften und ihre Währungen in Summe linear ein Ergbnis der Betriebswirtschaften seien. Was mich in diesem Zusammenhang schon wundert, ist, dass Sie noch wie vor und trotz aller bisherigen Erfahrungen im Rahmen der Euro-und Bankenkrisen glauben die Rettung vor dem grossen Crash läge in dem auf betriebswirtschaftliches Handeln beruhenden Umgang mit Geld und Geldwert. So als gäbe es die ständigen Verstöße gegen das Baile out Prinzip nicht und nicht die Zunahme von Nebenhaushalten und Bad Banken.
    Alles letztlich politische Entscheidungen, die frei nach Keynes solange funktionieren wie die Fälligkeiten hinausgeschoben werden obwohl sich jeder Betriebswirtschaftler die Haare rauft. Vor dem prophezeiten Doomsday sind noch reichlich Möglichkeiten gegeben alte Strukturen friedlich oder unfriedlich zu ändern um das System zu erhalten. Und so läuft es ......eine Renaisance von Keynes schuldengesteuerter Wirtschaftslenkung. Es wird solange funktionieren wie alle Menschen daran glauben dass es funktioniert. In unserem Land scheint das nicht so schwierig zu sein. Allgemeines Jammern über die Nullzinspolitik der EZB, sieht aber nicht deren verzweifelter Versuch die Deflation im Euroraum zu verhindern. Man kann eben nicht alles haben.


    mit guten Grüßen
    Karl , Ledermax-retro


  • Leider geht es der EZB weniger um die klassische Antideflationspolitik. In Wirklichkeit ist die Nullzinspolitik dafür da, das System überhaupt zusammen zu halten. Die Währungsunion funktioniert in dieser Zusammenstellung nicht. Das haben Kritiker immer angemerkt und sie haben recht behalten. Jedes Land braucht seinen eigenen Spielraum und geht mit völlig unterschiedlichen Mentalitäten, politischer Kultur und mit seiner eigenen Geschichte an das Thema Wirtschaftspolitik.


    Italiener, Franzosen, Spaniern u.a. sei ihre eigene Herangehensweise gegönnt und das ist auch gut so. Wichtig ist doch, dass wir vor allem die politische europäische Idee verfolgen. Die Währungsunion war eine idiotische Idee von ängstlichen alten Männern, die glaubten, eine Wiederholung der Katastrophe der zweiten Weltkriegs ließe sich durch ein europäisches Währungssystem verhindern. Das glatte Gegenteil ist eingetreten. Im Gegensatz zu Amerika wird ein Ausstieg aus der Nullzinspolitik in Europa dramatisch Folgen haben. Man schaltet dem Patienten den Lungenautomat ab und hofft, er wird mit Spontanatmung beginnen. An diesem Punkt kommt erneut das Schuldenthema ins Spiel. Höhere Zinsen bringen viele Volkswirtschaften an die Tragfähigkeitsgrenze.


    Wir werden sehen, was kommt. Eins steht fest. Die Blasen, die sich in vielen Märkten aufgebaut haben, werden irgendwann platzen bzw. ihnen wird die Luft ausgehen.


    Gruß,
    Walter

  • Lieber Walter;
    nun habe ich mir Ihre Texte nochmal durchgelesen um endlich zu verstehen, warum Sie sich trotz der vielen Widersprüche nicht davon überzeugen lassen, dass Staatsschulden niemals zuletzt nach betriebswirtschaftlichen Algorithmen verhandelt werden sondern letztlich immer aufgrund politischer Entscheidungen. Daraus ergibt sich logisch, dass die von Ihnen prognostizierte Bankenkrise zuletzt nichts mit Staatsschulden zu tun hat.
    Nebenbei: Sie schrieben , zu Keynes Zeiten wären Staatsschulden noch überschaubar gewesen ! Also bitte ? Keynes hat das Moratorium der Kriegsschuldenfrage ausgearbeitet - und die waren so unüberschaubar wie nur irgendwas.
    Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die von Ihnen angeführten krisenhaften "Blasen" letztlich mit Staatsverschuldung nichts zu tun haben. Staatsschulden werden immer eine politische Lösung finden, nämlich Prolongierung und evtl Schuldenschnitte. Jedenfalls solange die Staaten sich an völkerrechtlich traddierte Regeln halten. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit des Regelverstoßes, aber ich behaupte mal, dass in unserem europäischen Wirtschaftsraum Kriege nicht mehr vorkommen.
    :saint:


    Gruß
    Karl , Ledermax


  • An dem Punkt werden auch nicht zusammen kommen. ;) Für mich sind Staatsschulden nicht nur das Instrument einer staatlich gelenkten Nachfragesteuerung sondern auch eine skalierbare Größe, die man im Auge behalten muss. Der moderne Krieg a la Keynes sind systhemische Krisen wie die Bankenkrise, deren Lösung/Rettung natürlich ihren Niederschlag in einer dramatisch angestiegenen Verschuldung hatte. Insofern sind die Diskussionen ähnlich, nur die Ursachen sind andere. Keynes wäre sicherlich im Fall Griechenlands Befürworter eines drastischen Schuldenschnitts gewesen. :)


    Gruß,
    Walter

  • Guten Morgen Walter;


    das hat er ja im Versailler Monitoring auch probiert, aber die Politik hat ihm das verwehrt.


    Ansonsten stimme ich Ihrer Einschätzung zu, dass Schulden existenzielle Krisen verursachen, für die dann die Politik möglichst friedliche Lösungen finden muss. Das gelingt nicht immer, aber bis zu einer systemverändernden Katastrophe gibt es viele Möglichkeiten. Allerdings gebe ich zu, dass bis zu einer Lösung immer einige auf der Strecke bleiben. Zur Zeit einige Banken und möglicherweise einige Regierungen. Das beeinträchtigt zwar Wärungssysteme, zerstört sie aber nicht a priori.


    Gerne mal wieder... ich freue mich immer über kluge Dispute !


    Gruße
    Karl

  • Ich interessiere mich wegen dieser Pandemie für die Wirtschaft, daher denke ich, dass dies heutzutage ein wichtiges Thema ist. Ich frage mich, wie alles nach der Korona von selbst funktionieren wird. Ich studiere alles auf Forex-Nachrichten. Früher auf anderen Brokern gehandelt, aber die ganze Zeit gab es einige Probleme, Mängel. Relativ vor kurzem, vor drei Monaten, beschlossen, zu versuchen, und jetzt kann ich sagen, dass persönlich für mich dieser Broker wurde die beste in fast allen Parametern. Ich werde mit der Tatsache beginnen, dass im Allgemeinen die Bedingungen des Handels hier sehr profitabel und bequem sind. Sie können Geld auf verschiedene Arten abheben, außerdem habe ich für 3 Monate noch keine Probleme mit den Schlussfolgerungen. Wenn Sie sich mit bedacht dem Handel nähern, ist es hier ziemlich einfach, dies zu tun, da ich vor nicht allzu langer Zeit in diesem Bereich gearbeitet habe. Alles gefällt mir, ich kooperiere weiter.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!