Bodenfund Hanhart EDoDL 111 149

  • Ich hatte sie in der Bilderstrecke schon einmal kurz gezeigt. Es gibt ein neues Projekt; nicht in dem Sinne, dass man hier etwas technisch oder uhrmacherisch bewerkstelligen könnte. Es geht schlichtweg um das Sammeln von Informationen zu einen interessanten Fund aus Kriegstagen. Wir hatten Bodenfunde in der Vergangenheit hier durchaus kontrovers diskutiert, wenn es beispielsweise darum ging, die Uhren wieder flott zu machen oder etwa um die Frage, ob man überhaupt einen solchen Bodenfund in die Sammlung mit aufnehmen sollte.


    Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein ganzes Lot von Teilen, das aus einer Absturzstelle geborgen werden konnte, nachdem das Wrack wohl offiziell gehoben worden war. Die näheren Umstände sind mir bis dato noch nicht bekannt. Ich bin aber in einem regen Austausch mit dem Verkäufer und Finder. Was man sehen kann ist ein ziemlich ramponierter Hanhart Eindrücker, der deutliche Zerstörungsspuren aufweist. Das Gehäuse wurde beim Anprall unterhalb der Krone stark deformiert. Dadurch sind sowohl Deckel als auch das Glas nebst Zeigersatz abgesprengt worden. Die Seriennummer konnte ich vom Rost freilegen. Es handelt sich um die Nummer 111 149. Mit dabei waren die Reste eine Kehlkopfmikrofons des Piloten; Reste der Drehzahlmessers (Zifferblatt) FL-20222; ein Stück der Außenhaut mit Lackierungsresten von den Markierungen und diverse andere Teile der Außenhülle.


    Das Flugzeugmuster war eine VF-190 A6; der Fundort liegt im Umfeld des Hürtgenwalds in der Eifel. Es gibt aus dieser Bergung, die noch in etwa 20 cm Tiefe stattfand, keinerlei Hinweise auf eine Erkennungsmarke des Piloten oder eine Seriennummer der Maschine, da die Absturzstelle anscheinend schon geräumt worden ist. Das gilt es aber noch zu verifizieren, denn davon hängt ja die weitere Recherche ab. Wurden diese Dinge bereits geborgen, dann gibt es irgendwo wahrscheinlich eine Grabstätte und einen Namen, der man die Fundstücke zuordnen kann. Liegt der "Rest" noch irgendwo da unten, dann muss man das den Profis überlassen.


    Die Uhr zeugt von enormen Kräften, die auf sie eingewirkt haben. Ich nehme an, sie wurde am linken Arm getragen und der Aufprall kam entsprechend von vorne. Die letzte Stellung des Zeigersatz muss ich noch näher in Augenschein nehmen. Daraus könnte man eventuell die Absturzzeit ablesen. Mir geht es, wie schon erwähnt, um das Sammeln von weiteren Infos. Wenn es gelingen sollte, diesen Fall zu klären, dann geht die Uhr als Lot in ein geeignetes Museum. Ich finde sie zur Anschauung über die Schrecken des Luftkriegs sehr geeignet. Mit entsprechenden Infos versehen, ist sie in der Öffentlichkeit besser aufgehoben als in einer privaten Vitrine. (Die Bilder werden mit freundlicher Genehmigung des sehr hilfsbereiten Vorbesitzers gezeigt).


    Gruß,

    Walter


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  • Solche Funde sind immer etwas gruselig, springt einen hier doch das Schicksal des letzten Trägers direkt an.

    Ich finde Deine Herangehensweise sehr angemessen und respektvoll mit dem historischen Hintergrund, Walter.

    Genau richtig, die Uhr einem Museum zur Verfügung zu stellen und sie in dem Zustand zu belassen.

    Ein sehr spannendes Exponat!

  • Es wäre schön, wenn es tatschlich gelingen könnte, diese Uhr aus ihrer Anonymität herauszuholen. Wie weit ich da komme, hängt allein von den genauen Fundumständen ab, die ich noch nicht kenne. Ich habe aber schon einen Vorort-Termin nach dem Lockdown verabredet. Dann kann ich die Absturzstelle besichtigen und erfahre alle weiteren Umstände.


    Wenn man sich den Fundort anschaut, dann kommen viele Personen in Frage. Nicht weniger als drei große militärische Ereignisse des Jahres 1944/45 haben in unmittelbarer Nähe stattgefunden: Die Schlacht im Hürtgenwald von November bis Januar 1944; die Ardennenoffensive ab dem 16. Dezember 1944 und das Unternehmen Bodenplatte am 01. Januar 1945. Bei allen drei Operationen kam die Luftwaffe zum Einsatz. Hinzu kommen die Angriffe auf deutsche Großstädte wie Köln und Bonn. Alle in diesem Zusammenhängen eingesetzten gefallenen oder vermissten Piloten kommen also theoretisch in Frage.


    Aber das Gute im Unmöglichen ist sicherlich, dass es überhaupt eine konkrete Zuordnung zu einer Absturzstelle gibt. Diese befindet sich auch in unmittelbarer Nähe von Siedlungen, sodass der Absturz also wahrscheinlich nicht unbemerkt blieb. Es wird möglicherweise Aufzeichnungen geben, die zugeordnet werden können. Ich hoffe auf unsere gründliche deutsche Archivierung.


    Gruß,

    Walter

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